Rezension: Duke Manór

Mein Äquivalent zum „Dachbodenfund“ anderer Menschen ist der Besuch bei meinem Bruder. Eben jener hat seit einiger Zeit durch den Besuch zahlreicher Antiquariate und Flohmärkte eine illustre Sammlung abstruser und/oder klassischer Literatur, aufbereitet in jeder erdenklichen Form, angesammelt. So verwunderte es mich nicht, als er mir bei meinem letzten Besuch mal wieder eine CD in die Hand drückte – zum Reinhören.

513LkCo84QLDer Autor der Geschichte, Andreas Gruber, ist (wie Wikipedia verrät) Jahrgang 1968, und stammt aus Österreich. Seit 1996 vefolgt er eine schriftstellerische Karriere. Seine Geschichte „Duke Manór“ ist eine seiner älteren, hat sie doch bereits 1998 den dritten Platz beim „Marburg Award“ errungen. Worum geht es? Wir folgen dem jungen Journalisten Karl bei der Erkundung eines uralten Spukhauses. Auf der Jagd nach einer guten Story für das Magazin, für dass er tätig ist, beschließt er den baufälligen Kasten „Duke Manór“ an der österreichisch-ungarischen Grenze näher unter die Lupe zu nehmen. Schon während der ersten Begehung treten seltsame Phänomene auf, die der Rationalist aber rasch beiseite schiebt. Als er allerdings im Obergeschoss einen Brief findet, den der letzte Besitzer des Hauses als Warnung hinterlassen hat, überschlagen sich rasch die Ereignisse. Etwas lockt Karl in die Tiefen des Kellers – doch was geschieht, wenn er diesem Lockruf wirklich folgt…?

Um eines direkt zu sagen: die Geschichte ist wirklich großartig und ich würde ihr jeden Preis verleihen wollen. Sie ist durchdacht, wirklich, wirklich gruselig, modern und erschreckend realistisch. Dem Autoren gebührt alles Lob! Leider kann ich dieses Lob nicht an die Verantwortlichen für die Hörspielumsetzung weitergeben. Tatsächlich liefert der Verlag „Hörspiele Welt“ auch in einer Hinsicht eine Mogelpackung ab. Zunächst einmal ist „Duke Manór“ kaum ein klassisches Hörspiel sondern vielmehr eine Lesung, unterlegt mit Soundeffekten. Einzig die Einleitungszene läßt eine zweite Sprecherin kurz zu Worte kommen – aber das sei nur am Rande erwähnt. Was wirklich schade ist, ist dass der Sprecher Christian Hanreich kaum jemals Grusel aufkommen lasst. Zu gelangweilt und zu monoton lässt er seinen Protagonisten Karl auch das furchtbarste Grauen nacherzählen, das ihm widerfährt. Dazu kommt, dass sich die meisten der gewählten Soundeffekte ungefähr auf dem Niveau einer TKKG-Kassette befinden. Und versteht mich nicht falsch, dort ist das völlig in Ordnung, für ein Gruselhörspiel ist es ein No-Go.

Fazit: „Duke Manór“ ist eine absolut grandiose Geschichte, die ich jedem Horrorfan sofort ans Herz legen möchte. Allerdings nicht in dieser Version.

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