Urban Exploring

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 04. Juni 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestsellerSearchers after horror haunt strange, far places.

– H. P. Lovecraft

Urban exploring (häufig Abgekürzt mit urbex oder UE) ist ein ganz besonders Hobby, das einen immer größeren Reiz auszuüben scheint. Gerade in den USA gibt es ganze Netzwerke der urbanen Entdecker, die sich vor allem über das Internet austauschen und ihre neusten Ausflüge mit oft eindrucksvoll bizarren Fotos dokumentieren. Doch was ist UE nun genau?

In beinahe jeder Stadt gibt es alte Bauruinen, Kanalisationsüberreste aus einer Zeit vor der modernen Abwasserentsorgung, ungenutzte Industrieanlagen, vielleicht alte Krankenhäuser, Schulen oder Verwaltungstrakte. Diese Gebäudegerippe sind der Witterung ebenso schutzlos ausgeliefert wie dem Vandalismus. Zerbrochene Scheiben, Graffiti und Rost verwandeln die Gebäude nach und nach in unsanierbare Ruinen.

Urbane Entdecker verschaffen sich zu diesen, manchmal einsturzgefährdeten Orten, zutritt. Oft bewaffnet wie in eine Gruppe von Höhlenforschern mit Taschenlampen, Helmen und vor allem Fotoapparaten um die Entdeckungsreise auch zu dokumentieren, wagen sich diese mutigen Hobbyentdecker in die dunkelsten Ecken unserer modernen Ruinen. Es sind keine lebensmüden Wahnsinnigen oder gelangweilte Leute die sich einfach nur die Zeit mit ein wenig destruktiver Gewalt vertrieben wollen, nein eigentlich sind diese Entdecker Romantiker. In den rostigen Anlagen suchen sie nach der vergangenen Ästhetik und dem Gefühl die diese Gebäude einst gespeichert haben, denn in ihnen lebte eine Atmosphäre fort, die man außerhalb nur sehr schwer finden kann. Viele geschichtlich interessierte sehen in den verfallenen, aber ehemals täglich genutzten Anlagen eine Flucht in eine Zeit die vielleicht für Träumer etwas weniger hektisch war als unser hier und jetzt. Bizarre Funde, wie rostzerfressendes Metall oder auch Pflanzen die an den eigentümlichsten Stellen wachsen (Bäume die aus Wände wachsen) werden mit dem immer greifbaren Fotoapparat festgehalten und anschließend in speziellen Foren, Internetauftritten und Blogs gezeigt, bewundert und diskutiert.

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Ganz legal sind diese Aktivitäten allerdings nicht. Nur die wenigsten Grundstücksverwalter mögen es wenn eine Gruppe von Menschen unbeaufsichtigt auf ihrem Grundstück herumstromert. Zusätzlich lauern überall Gefahren, da nicht wenige dieser baufälligen Komplexe einsturzgefährdet sind. Doch solcher Nervenkitzel gehört zum Hobby dazu und ist nur ein weiterer Reiz für die Urban Explorers Ausschau zu halten und neue Orte zu suchen zu denen sich eine Entdeckungsreise lohnt. Neben der Rechtslage ergeben sich noch Gefahren aus den Gebäuden selbst, denn verarbeiteter Asbest, nicht entsorgte Industrieabfälle oder ätzende Säuren sind nicht gerade ungefährlich. Von morschen Brettern, bröckligen Decken und elektrischen Leitungen gar nicht erst zu reden. Darum bereiten sich die Entdecker häufig auf alle Eventualitäten vor und Atemmasken gehören ebenso wie festes Schuhwerk und Taschenlampe zur Pflichtausrüstung.

Einmal in dem Gebäude drin, handeln viele Urban Explorers anders. Für manche gilt ein hoher Respekt gegenüber den Gebäuden sie handeln nur nach dem Kodex: „take nothing but pictures, leave nothing but footprints.“ Andere wiederum nehmen kleine Souvenirs an sich oder hinterlassen ihr Zeichen für damit die nächste Gruppe von Entdeckern weiß, dass schon einmal jemand vor ihnen diese Ruine besuchte.

Die Popularität dieses Hobbys entwickelte sich wahrscheinlich aus Dokumentation wie Urban Explorers im Discovery Channel und so fragwürdigen Konzepten wie MTVs Fear. Auch Filme die sich zu diesem Thema einordnen lassen und Romane zeigen, dass dieses Hobby auf allgemeines Interesse stoßt. In dem nächsten Artikel werde ich das Buch von David Morell mit dem Titel Creepers kurz vorstellen und zusätzlich einen Film rezensieren der in einem alten Sanatorium spielt und die Atmosphäre sehr gut einfängt und mit schleichendem Horror kombiniert.

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