Die Hexenversammlung

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 23. Februar 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestsellerZur größten Ketzerei gehört es, wenn man nicht ans Hexenwesen glaubt.
– Malleus Maleficarum „Der Hexenhammer“

Auch (an diesem Freitag)heute erwartet uns wieder eine neue Szenarioidee basierend auf einer alten Sage, dieses Mal aus Bayern.

Die Hexenversammlung bei Oberstdorf

Außerhalb Oberstdorf gegen den Faltenbach zu stand vor Zeiten “einschicht” ein kleines Häuschen, das nun aber schon längst abgebrochen ist, so dass man jetzt kaum die Stelle mehr erkennt, wo es gestanden hatte. In diesem Häuschen ging es oft nicht mit rechten Dingen zu. Kamen da einmal zur Winterszeit des Morgens lang vor Betläuten einige Oberstdorfer Burschen, die zum “Heuzug” in den “Faltenbach” wollten, vorbei und sahen das Häuschen hell erleuchtet und vernahmen gar prächtige Musik aus demselben. Den Burschen kam das um solche Zeit unheimlich und verdächtig vor, und darum wollten sie nicht vorwitzig sein oder freveln und gingen ruhig ihres Weges weiter, bis auf einen unter ihnen, den die Neugierde zu sehr plagte, und der es darum nicht lassen konnte, in das Häuschen hineinzugehen, um zu erfahren, was denn da alles vorgehe. Da sah er allerlei Leute drinnen; die waren voller Lustbarkeit und tanzten und hüpften, und an einem Platze waren Musikanten, die aufspielten und gar wunderbare Musik machten, dass er sich zu ihnen hinstellte und nicht genug hören konnte. Da gab ihm sogleich einer eine Pfeife und forderte ihn zum Mitblasen auf, und als er sagte, er könne nicht Musik, so meinten die alle, er solle es nur einmal probieren, und nötigten ihn, bis er mittat. Siehe da, sein Pfeifchen stimmte gar trefflich zu der übrigen MusikFlötenspieler und ging so überaus schön, dass er sich darob über die Maßen freute und in seiner Verwunderung ausrief: “Jesses, ischt dös Ding so schi!” Aber den Namen Jesus aussprechen, und alle Leute waren verschwunden, und das Häuschen stand wieder leer wie zuvor. In Händen aber hatte er einen Katzenschwanz; das war die vermeintliche Pfeife, auf der er geblasen hatte. Der Bursche ging darauf heim, und in drei Tagen war er eine Leiche.

Auszug eines Briefes von Pater Karl Bandele an Erzbischof Faulhaber (geschrieben im Oktober 1925):

Azathoth01

Abenteuerideen

Das alte Haus mag zwar abgebrochen sein, aber es gibt noch immer Nächte in denen der Hexensabbat begangen wird. Um die Walpurgisnacht herum und auch am Tag vor Allerheiligen erklingt manchmal vom Wind ins Dorf getragen, eine fremdartige Flötenmusik. Es ist eine von diesen Nächten, in denen die Hexengemeinde ihr Band mit dem blinden Idiotengott Azathoth erneuern will. Schon seit der Dämmerung ist keine Menschenseele mehr auf der Straße, kein Fensterladen ist geöffnet und keine Tür nicht verschlossen. Die schrillen Flötentöne erklingen ungehört in den leeren Gassen und Wegen. Oft verführen die Hexen junge Männer und bringen sie dazu, sich an den heidnischen Feierlichkeiten zu beteiligen, aber auch Fremde in den Dörfern sind oft beliebte Opfer bei den ausschweifenden Zeremonien, an die man sich nur noch träumend erinnern kann. Aber diejenigen Opfer, die sich an den Zeremonien beteiligten und vielleicht selbst Azathoth mit den Instrumenten der Äußeren Göttern besänftigten, diese bedauernswerten Geschöpfe verweilen nur noch kurz unter den Lebenden. Das wimmelnde Chaos verfolgt sie und der kriechende Wahnsinn greift nach ihnen, denn sie haben die Aufmerksamkeit von Azathoths Diener auf sich gezogen und diese Geschöpfe wollen, dass der Flötenspieler mit einstimmt in die Kakophonie der Töne. Diejenigen die sich weigern, enden als Leiche aber diejenigen die nachgeben, werden nie wieder gesehen.

Der Geistliche des Dorfes versuchte lange gegen die Heiden vorzugehen, doch die Wurzeln dieses unchristlichen Brauchtums liegen tief, viel tiefer als die christliche Mythologie. Dennoch bemühte er sich gegen die Hexen anzukämpfen, doch in den großen Kirchen in München wollte ihm niemand Glauben schenken, als er die Umtriebe in dem Dorf erwähnte und seine Wünsche nach demHexenhammer „Hexenhammer“ wurden abgelehnt. Allein musste er sich dem Kampf stellen, doch diese Zeremonie sollte anders sein als all die anderen, denn um das Band mit Azathoth zu erneuern geht das Fest über den menschlichen Verstand hinaus…

Gleichzeitig kann man bei bestimmten Leuten des Dorfes erfahren (mit ein wenig Überredungskunst in Form von Geld oder Schnaps), dass stets um die Sabbattage der Hexen (Lichtmeß-Fest am Vorabend des 2. Februar, Walpurgisnacht am Vorabend des 1. Mais, Lammas-Abend am Vorabend des 1. August, Halloween am Vorabend des 1. November) überdurchschnittlich viele Vermisstenmeldungen bei der Dorfpolizei eingehen. Man munkelt über Entführungen und andere schändliche Dinge, aber Ermittlungen haben nie etwas Beweiskräftiges ergeben. Aber es wurden auch nie Polizisten von außerhalb des Dorfes konsultiert, alles bleibt in der kleinen Gemeinde und nichts dringt nach außen. Fremde sind im Dorf jedoch immer gern gesehen, gerade um die berüchtigten Hexentage herum…

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