Rezension: Investigatoren-Kompendium

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Das „Investigatoren-Kompendium“ komplettiert die nun endlich erschienene siebte Edition des Horror-Rollenspielklassikers „Cthulhu“. Anders als das Grundregelwerk, das viele nur für Spielleiter bestimmte Hintergrundinformationen enthält, wendet sich das „Investigatoren-Kompendium“ explizit an die Spieler. Wie sinnvoll ist die Anschaffung?

11903656_458162691033428_1087712816893511117_oEs war ein langer und steiniger Weg, der zum Erscheinen der siebten Edition führte (der Ringbote berichtete in mehreren Werkstattberichten). Verzögerungen des amerikanischen Lizenzgebers Chaosium führten weltweit zum Stopp der verschiedenen, fast fertigen Übersetzungen. Doch mit einem Eigentümerwechsel beim amerikanischen Unternehmen kam auch wieder Schwung in den Casus „Cthulhu“, sodass pünktlich zur SPIEL 2015 die deutsche Version erscheinen konnte.

Neben dem „Grundregelwerk“ wurde auch das amerikanische „Investigators Companion“ übersetzt und als „Investigatoren-Kompendium“ veröffentlicht. Es enthält zahlreiche Informationen, die sich explizit an die Spieler richten und beim Ausschmücken und Ausspielen ihrer Charaktere – bei „Cthulhu“ fortan „Investigatoren“ betitelt – helfen soll. Was aber findet sich zwischen den schick designten Buchdeckeln?

Inhalt

Eine kurze Einleitung über Rollenspielen an sich und „Cthulhu“ im Speziellen ist rasch überflogen. Es folgt ein kurzes Kapitel, das interessierten Spielern den Einstieg in die Welten H. P. Lovecrafts einfacher machen soll. Hierfür werden viele Bücher, Filme, Comics, Internetseiten oder Computerspiele vorgestellt, die entweder Lovecrafts Werke zum Thema haben oder zumindest eine cthuloide Atmosphäre aufweisen. Die so zusammengestellte Bibliographie ist ausreichend umfangreich.

Die nächsten Kapitel werden dann regellastiger. Zunächst wird die Erschaffung neuer Investigatoren umfangreich beschrieben. Das Kapitel ist inhaltsgleich mit dem gleichnamigen Kapitel aus dem „Grundregelwerk“, entsprechend umfangreich ausgearbeitet und lässt keine Fragen offen. Es folgt eine umfangreiche Auflistung von möglichen Berufen für Investigatoren, welche die im „Grundregelwerk“ enthaltenen Beispielberufe um ein vielfaches übersteigt. Hier findet sich dann auch tatsächlicher Mehrwert im „Investigatoren-Kompendium“, auch wenn es wohl viele Berufe gibt, die kaum den Einsatz am Spieltisch sehen dürften – Buchhalter, Designer oder Gewerkschaftler versprechen auf den ersten Blick eher weniger spannende Charakterkonzepte. Im nächsten Kapitel werden dann – wieder deckungsgleich zum „Grundregelwerk“ – die Fertigkeiten der Investigatoren beschrieben.

Die weiteren Kapitel sollen dann dazu dienen, den Spielern Anregungen und Hilfestellungen an die Hand zu geben. So gibt es ein Kapitel über „Organisationen für Investigatoren“, die den Spielern zahlreiche beispielhafte Organisationen an die Hand geben, zu denen ihre Charaktere gehören könnten – seien es Geheimbünde, ehemalige Soldaten, ein Wanderzirkus oder eine Polizeistation. Bei diesen Organisationen handelt es sich – abseits der deutschen „Janus-Gesellschaft“, die hier aber nur sehr stiefmütterlich erwähnt wird – um ein neues Konzept für „Cthulhu“, das die oft gestellte Frage nach der Charaktermotivation vermeiden hilft. Zwei weitere Kapitel geben den Spielern Hilfestellungen über das „richtige“ Recherchieren, den Umgang mit Mythosbegegnungen oder den Umgang mit den Regeln. Ein Hintergrundkapitel über die goldenen Zwanziger, das wichtige Ereignisse, historische Persönlichkeiten oder technische Errungenschaften dieser Epoche vorstellt, ist ebenfalls mit dabei – und hätte auch dem „Grundregelwerk“ sehr gut zu Gesicht gestanden.

Umfangreiche Anhänge – eine Zeitleiste, Ausrüstungstabellen, Waffentabellen, Konvertierungsregeln und ein Index sowie Charakterbögen – runden den Band schlussendlich nach 240 Seiten ab.

Aufmachung

Das „Investigatoren-Kompendium“ schließt sich in der optischen Gestaltung nahtlos an das „Cthulhu Grundregelwerk“ an. Es liegt als vollfarbiger Hardcoverband vor. Das in braunen Sepia-Tönen gehaltene Layout wirkt übersichtlich und aufgeräumt, die verwendeten Schriftarten sind allesamt gut lesbar. Farblich klar abgesetzte Extrakästen versorgen den Leser mit zusätzlichen Hintergrundinformationen oder Spielbeispielen. Die Kapitel sind logisch gegliedert und jeweils mit einem eigenen Logo versehen, dass sich der Orientierung halber auf jeder Seite wiederfindet. Bebildert ist der Band reichhaltig mit Photographien und großformatigen Illustrationen, die den Schrecken des Mythos darstellen.

Die Übersetzung liest sich größtenteils flüssig und beim Lesen sind mir kaum ärgerliche Rechtschreibfehler oder Unverständlichkeiten begegnet.

Kritik

Das „Investigatoren-Kompendium“ ist ein handwerklich wirklich gut gemachter Regelband, der viele interessante Informationen enthält. Allerdings muss es sich auch Kritik gefallen lassen. So verwundert mich das völlige Fehlen von Regeln abseits der Charaktererschaffung. Immerhin sind im „Grundregelwerk“ viele Informationen ausschließlich für den Spielleiter gedacht, sodass es für die Spieler eigentlich keine Anschaffung darstellen sollte. Nur mit dem „Investigatoren-Kompendium“ ausgestattet fehlen den Spielern aber die Regeln des Spiels. Besitzer beider Bände wiederum mögen sich über die redundanten Kapitel, die immerhin 54 Seiten verschlingen, ärgern. Darüber hinaus sind mir einige der Beispielberufe deutlich zu trocken, während gerade bei den Kapiteln, die das Leben eines Investigators hilfreich umschreiben sollen, deutlich zu viel Humor und Slapstickeinlagen das Bild prägen. Sicher, Horror und Humor sind eine sehr gute Kombination – mir drängt sich bei diesen Beschreibungen allerdings oft ein anderes Bild auf, als es von „Cthulhu“ bislang vermittelt wurde.

Fazit: An wen wendet sich das „Investigatoren-Kompendium“ denn nun? Das Hintergrundkapitel über die Zwanziger Jahre kann der Spielleiter ebenso verwenden, wie die Spieler. Den Spielern fehlen in diesem Band wiederum die Grundregeln. Der Mehrwert durch die große Berufsauswahl wird durch die Menge an Füllmaterial bei diesen Berufen wiederum eingeschränkt. So bleibt das „Investigatoren-Kompendium“ hinter seinen Möglichkeiten zurück. Die handwerklich gute Umsetzung und der wohl wirklich als Schnäppchen anzusehende Preis von gerade mal 12,95 EUR sorgen aber dafür, dass das Buch kaum ein echter Fehlkauf sein kann und als Ergänzung zum Grundregelwerk dienen kann. Und insbesondere Einsteiger in die cthuloide Materie erhalten den einen oder anderen hilfreichen Tipp.

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