Fanzine: Vision

Der Karneval der Rollenspielblogs beschäftigt sich in diesem Monat mit dem Thema “Fanzines“. Danke an die Mondbuchstaben für die Organisation.

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Es ist lange her, dass ich etwas zum „Karneval der Rollenspielblogs“ beigesteuert habe. Möglich, dass es dem einen oder anderen Leser aufgefallen ist, wahrscheinlich ist das aber nicht🙂. Wie auch immer, es lag kaum an den interessanten Themen, dass ich mich nicht zu einer Teilnahme aufraffen konnte – es mangelt schlicht an der nötigen Zeit, die ich mir gerne für einen Karnevals-Beitrag nehmen möchte. Doch auch, wenn auch dieser Beitrag längst nicht die inhaltliche Qualität erreichen wird, die ich mir für meine Karnevalsbeiträge wünsche, so möchte ich doch das wunderbar nostalgische Thema „Fanzine“ nicht unkommentiert an mir vorbeiziehen lassen.

Wie alles begann…
Ich habe im letzten Monat einige Fragen zu meinem Rollenspielanfang beantwortet (KLICK). Ich habe – ziemlich klassisch – mit DSA begonnen. Bald erfolgte das erste Abo des Aventurischen Boten und innerhalb der ganzen Kleinanzeigen und Fanclub-Angebote fanden sich auch immer wieder Hinweise auf Fanzines – wie den Thorwal Standard. Mein schmaler Schülergeldbeutel verhinderte damals, das ich bereits in jungen Jahren zu dem gierigen Allessammler mutierte, der ich heute geworden bin. Doch die Idee, dass dort draußen Leute waren, die eigene Texte niederschrieben und in Zeitungsform brachten, faszinierte mich sofort.

…die Straße gleitet fort und fort…
Zu meinen rollenspielerischen Interessen gesellte sich alsbald eine morbide Faszination für TableTop-Schlachten, die mich dann auch endlich in den nächstgelegenen Fantasy-Store führte. Dort eröffnete sich mir dann die wunderbare Welt des Nerdtums und ich begann, mich für andere Rollenspiele, Comics, Bildbände und einfach alles zu interessieren, was mit Fantasy, SF oder Horror zusammenhing. Hier legte ich den Grundstein meiner inzwischen recht illustren RPG-Sammlung und hier kam ich dann auch erstmals wirklich mit Fanzines und RPG-Magazinen in Kontakt. Die WunderWelten zählt sicher nicht als Fanzine, war aber durchaus prägend für meine frühe RPG-Karriere. Doch ich besorgte mir fast alles, was günstig und gedruckt war – die FreeINT, die Mephisto, die Odyssee (die es leider nur auf drei Ausgaben brachte…), Fantastic Adventure, Ringbote – die Sammlung wuchs und mit ihr die Faszination.

Ans Machwerk!
Inzwischen spielte ich verschiedene TableTop-Systeme und nannte einige der gängigen Rollenspielsysteme mein Eigen. Darüber hinaus hatte ich das Gefühl, ein wahnsinnig kreativer Typ zu sein, der unbedingt etwas von seiner Kreativität auf Papier bringen mußte. Also machte ich mich kurzerhand ans Werk und kreierte mein eigenes Fanzine: die „Vision“.

Die erste Ausgabe war dabei gefühlt in wenigen Stunden zusammengestellt. Ich hatte einen Computer (ich schätze, es muß wohl noch an meinem guten, alten 486er entstanden sein :-)), Zeit und Ideen. Die zehnseitige Erstausgabe (inkl. Cover) war einseitig gedruckt, per Hand getackert, in absoluter Kleinstauflage kopiert und enthielt neun Artikel – ein bißchen Warhammer war dabei, eine SC-Klasse für DSA, eine Kurzgeschichte für Star Wars… den genauen Inhalt kriege ich leider nicht beisammen und auch das „wertvolle“ Original ist irgendwo im Archiv meiner Eltern. Wie auch immer, ich malte ein „schickes“ Coverbild hinzu und trug das Ding in meinen lokalen Gamestore. Und was soll ich sagen? Der Besitzer war begeistert von der Idee, ein „eigenes“ Fanzine in seinem Laden zu haben! Er erstattete mir sogar die Kopierkosten, obwohl ich ihn nie darum gefragt hätte und meinte, ich könnte jederzeit wiederkommen.

Wenn das kein Ansporn war! Die Seitenzahl der zweiten Ausgabe, ebenfalls zügigst erstellt, wurde mal um glatt 50% erhöht. Die damit 15 Seiten schwere Zweitausgabe enthielt unter anderem meinen ersten zweiseitigen Artikel, in dem ich ein neues Söldnerregiment für Warhammer vorstellte. Was damals irgendwie so befreiend war war schlicht die Tatsache, dass man absolut wahllos kreativ sein durfte – und dadurch, dass man absolut keinen Verbreitungsgrad erreichte, war auch die absolute Unwissenheit in Bezug auf Markenrechte, Copyrights, Bildrechte etc. schlicht kein Problem. Ich verwendete, was mir vor die Internet-Flinte kam und es sah gar nicht so schlecht aus.

Es gab auch noch eine dritte Ausgabe der „Vision“, die ich dann erstmals auf A3-Papier produzierte. Getackert werden mußte natürlich trotzdem per Hand, was dem Rücken einen unschönen Knick gab. Aber da eine A3-Kopie erstaunlicherweise nicht teurer als eine A4-Kopie war (diesen Copy-Shop habe ich später auch nicht mehr gesehen…), konnte ich die publizierte Seitenzahl mit einem Mal weiter verdoppeln. Ich hatte einen Artikel zu Shadowrun mit an Bord und hatte mir auch eine tolle „letzte Seite“ mit Feedback-Karte (zum Abgeben im Laden) überlegt. Und tatsächlich hatte ich auch einen Kumpel aus meiner damaligen Rollenspielrunde überredet, einen eigenen Text für die nächste Ausgabe beizusteuern.

Das Ende…
Weiter bin ich dann aber nie gekommen. Ich habe noch die Arbeiten an der vierten Ausgabe begonnen, doch nie vollendet. Ich begann meine Ausbildung, meine Rollenspielgruppen wurden noch einmal kräftig durcheinander geschüttelt, das TableTop wich anderen Hobbies und irgendwie begann ich dann auch, den Kontakt mit meinem Rollenspielladen einschlafen zu lassen. Aber: es war eine großartige Phase und eine gute Zeit, die ich mit der „Vision“ hatte. Ich kann nicht sagen, dass ich sonderlich erfolgreich war (ich glaube, noch heute – und die Sache ist über 15 Jahre her – dürften sich die Ausgaben im Laden finden lassen :-)), doch es hat schlicht und ergreifend Spaß gemacht.

…und die Zukunft!
Tatsächlich ist dieser Blog ist so eine Art Ersatzdroge. Thematisch fokussierter, im Layout deutlich ausgereifter, rechtlich sicherer, ja. Wie schrieb ich bei der Beantwortung der November-Blog-O-Quest-Fragen: „Fanmaterial zu erstellen ist für mich persönlich das absolute Salz in der Suppe des Rollenspielens.“ Und dank der „Vision“ habe ich das gelernt.

2 thoughts on “Fanzine: Vision

  1. An den WunderWelten kam man in den 90ern einfach nicht vorbei, wenn man sich irgendwie für Rollenspiel und TableTop interessiert hat. Es war naturgemäß sehr DSA und Shadowrun-lastig, aber immer eine helle Freude darin zu blättern.

  2. Tolle Geschichte, die viel von der Faszination einfängt, die auch mich zum Fanzinen brachte!

    Falls Du Ambitionen hast, die mal dem elterlichen archiv zu entziehen und einzuscannen, unterstütze ich das!

    Klingt auch nach nem cool durchmixten Fanzine.

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