Rezension: Die Priester der Krähen

Die Edition 7 ist auf dem Weg! Zeit, endlich auch auf diesen Seiten einen Blick auf die erste Publikation zu werfen, die im Kielwasser dieser umwälzenden Neuerscheinung angeschwemmt wurde: den Abenteuerband „Die Priester der Krähen“!

Rezension - Die Priester der KrähenWie an dieser Stelle üblich – und wohl auch angebracht – erfolgt vorab die obligatorische Spoilerwarnung. Eine Rezension von Abenteuerszenarien vermag kaum komplett ohne Hinweise auf die Handlung auszukommen. Leser, die die Abenteuer noch als Spieler erleben möchten sei also geraten, bis zum Fazit vorzuspringen.

„Die Priester der Krähen“ erscheint als Softcoverband. Das ist für „Cthulhu“ in Deutschland schon etwas Besonderes, wurden doch seit dem Einstellen der „Cthuloiden Welten“ seitens Pegasus keine Softcoverbände mehr produziert. Auf 72 Seiten werden dem angehenden – aber auch dem erfahrenen – Spielleiter zwei Szenarien vorgestellt, die es vor vielen Jahren im Rahmen der „Cthuloiden Welten“ zu erstehen gab. Allerdings wurden beide Texte dezent überarbeitet, um mit den neuen Regeln kompatibel zu sein.

Eröffnet wird der Abenteuerband mit dem titelgebenden „Die Priester der Krähen“. Ein Urlaub in Travemünde führt die Investigatoren – denn das ist der neue, offizielle Begriff für Charaktere im Rollenspiel „Cthulhu“ – auf die Fährte von gleich mehreren, grausigen Verbrechen. Auf der Suche nach einem verschollenen Freund stolpern sie über grausig zugerichtete Leichen, müssen Attentate auf ihre Gesundheit überstehen, stoßen auf die Spuren eines Jahrzehnte zurückliegenden Dreifachmordes und müssen sich schließlich dem obligatorischen „Kult der Woche“ und den mit ihnen im Bunde stehenden Mythoskräften erwehren. Unverbrauchte Gegenspieler, eine nette Kulisse und ein gediegener, nicht zu anspruchsvoller Rechercheplot sorgen für ein gefälliges Abenteuer. Aber, und das sei als Kritikpunkt erwähnt, die Geschichte reiht sich in ihrer Ausarbeitung wie eine Perlenkette aneinander. Außerdem werden ständig Hinweise gegeben, wie die Spieler und ihre Charaktere auf dem richtigen Pfad zu halten sind – Railroading par Excellence.

Es folgt „Die Bucht der Toten“, welches die Charaktere wiederum in den Urlaub, aber auf die in der Ostsee gelegene Halbinsel Hela entführt. Der hier zugrundeliegende Plot ist ungleich klassischer als im ersten Abenteuer, stoßen die Charaktere doch auf einen gefährlichen, alten Einsiedler, der einen finsteren Cthulhu-Kult führt. Viele lovecraftsche Motive, wie die an die Geschichte „Das merkwürdig hochgelegene Haus im Nebel“ gemahnende Hütte des alten Außenseiters, sorgen für die richtige Atmosphäre. Allerdings wird auch eine Menge Lokalkolorit eingestreut und die ausgearbeiteten NSC mögen für die eine oder andere denkwürdige Begegnung sorgen. Auch ist die Ausarbeitung deutlich freier gelungen als im ersten Abenteuer des Bandes, sodass „Die Bucht der Toten“ von mir eine gute Zwischennote erhält.

Abgerundet wird der Band schließlich durch einfache Konvertierungsregeln, die beide Abenteuer mit alten Regeleditionen spielbar machen sollen – doch natürlich auch umgekehrt funktionieren. Gerade bei den ersten Abenteuerbänden für die neue Edition eine schöne Ergänzung, auch, um ersichtlich zu machen, wie wenig sich tatsächlich am Regelgerüst geändert hat.

Optisch ist „Die Priester der Krähen“ durchaus gelungen. Das Cover wird von einer Krähe geprägt, die im Hintergrund schwingenden cthuloiden Tentakel sorgen für die richtige Atmosphäre. Das Papier wirkt vergilbt und ist angenehm rau und schwer. Die Bebilderung mit alten Photographien – beliebt und bekannt aus den vorangegangenen Pegasus-Publikationen – wurde zwar beibehalten, doch sind die Bilder nun oft größer dargestellt und streckenweise bis an den Bildrand gezogen, was sowohl das Bild eher auflockert als auch weiterhin elegant wirkt. Auch die wie immer zahlreichen Handouts liegen weiterhin in beeindruckender grafischer Qualität vor. Für die Verarbeitung und Optik gibt es damit eine gute Note.

Fazit: „Die Priester der Krähen“ bietet angenehm gruselige Abenteuer, die das „typisch deutsche“ „Cthulhu“ hervorragend repräsentieren. Gediegene Recherchearbeit wechselt sich mit Schockeffekten ab, um eine unheimliche und unwirkliche Atmosphäre zu kreieren. Insofern bietet der Band keine Sternstunden der Innovation, sehr wohl aber angenehm lovecraftsche Unterhaltung auf gutem Niveau.

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich auf Ringbote.de

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