Rezension: Der König in Gelb

„Der König in Gelb“ ist wohl die berühmteste Kurzgeschichtensammlung des amerikanischen Autoren Robert W. Chambers. Nun legt der Festa Verlag eine Neuauflage dieses Klassikers vor. Wie schlagen sich Chambers Geschichten heute?

Rezension - Der König in GelbDer 1865 geborene Robert W. Chambers schuf über 70 Romane. Die meisten davon sind heute vergessen, doch sein „Der König in Gelb“ gilt als einer der großen Klassiker der Horror-Literatur. Viele Kritiker sehen in dem Werk eine Art Brückenschlag zwischen dem Altmeister E. A. Poe und den moderneren Horrorautoren. Der wohlbekannte Howard Philipps Lovecraft attestierte ihm sogar, „beachtliche Gipfel des kosmischen Grauens“ erklommen zu haben.

Was aber erwartet uns nun zwischen den wohlfeil designten Buchdeckeln, die den in gelbe Kutten gewandeten König zeigen? Auf insgesamt 192 Seiten sind sechs Kurzgeschichten versammelt, dazu noch zwei weitere kurze Texte sowie Abhandlungen von Michael Nagula über Chambers’ Leben und Werk. Die Frage, wer oder was „Der König in Gelb“ eigentlich sei, beantwortet gleich die erste Kurzgeschichte, „Der Wiederhersteller des guten Rufes“. Bei „Der König in Gelb“ handelt es sich um ein Buch, die Niederschrift eines Theaterstücks, dessen erster Akt von bemerkenswerter Banalität ist, dessen zweiter Akt aber nicht für den menschlichen Geist geschaffen zu sein scheint. Wer es liest, wird von den unseligen Wahrheiten über einen grausen und kalten Kosmos niedergeworfen, sein Verstand zertrümmert. „Der König in Gelb“ kann damit ohne Probleme als Vorlage für Lovecrafts Necronomicon, das Buch der Toten, angesehen werden, dem ganz ähnliche Eigenschaften anhängen.

In eben jener ersten Kurzgeschichte hat der Protagonist bereits in diesem verfluchten Buch gelesen und ist schon bald darauf den Einflüsterungen einer bösen aber undurchsichtigen Gestalt erlegen. Unter dem Einfluss des wahnsinnig anmutenden „Wiederherstellers des guten Rufes“ folgen Auftragsmorde, Familientragödien und Existenzen, die in Scherben liegen. Eine eindrucksvolle Studie. Auch die nächsten Geschichten stellen Facetten des „Der König in Gelb“ und seinen grausamen Einfluss auf die Menschen in seiner Umgebung vor. Sei es ein Maler, der von einem furchtbaren Wächter des Gelben Zeichens heimgesucht wird oder ein Mann, der kaum noch zwischen wirren Wachträumen und der Realität zu unterscheiden vermag. Ein Kniff, der mir besonders gefiel ist, dass Chambers mit einzelnen Worten – Namen von Personen oder Orten – Bezug unter den einzelnen Geschichten herstellt. So heißt es in einer Geschichte: „Ich erinnerte mich was mit Castaigne geschah, den ich kannte.“ Castaigne wiederum ist der Protagonist der ersten Geschichte. So entsteht eine dichte, plausible und stimmige Welt.

Sprachlich gibt es nichts an Chambers flüssigem aber wortgewaltigen Schreibstil auszusetzen. Auch die deutsche Übersetzung weiß zu gefallen und transportiert den Stil des ausklingenden 19. Jahrhunderts gut. Die Ausführungen von Nagula über Leben und Wirken des Robert W. Chambers runden den Band angenehm ab.

Fazit: „Der König in Gelb“ gilt wohl zurecht als ein absoluter Klassiker der Horrorliteratur und hat wohlverdient seinen Einzug in den popkulturell kaum noch wegzudenkenden „Cthulhu“-Mythos gehalten. Auch wenn nicht jede der Geschichten – gerade in der heutigen Zeit – echten Grusel zu erzeugen vermag, liest sich das Buch sehr angenehm und einfach klassisch. Für Fans klassischer Horrorliteratur absolut empfehlenswert.

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Ein Kommentar zu “Rezension: Der König in Gelb

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