WERKSTATTBERICHT: Cthulhu „Edition 7“

Gerade vor wenigen Tagen ist die diesjährige RPC in Köln zu Ende gegangen. Während nun auf diversen Blogs und Webmagazinen die Berichte rund um Rollenspielneuigkeiten aus dem Boden sprießen, möchte ich mich da natürlich auch ein wenig beteiligen. Dazu hatte ich bereits im Vorfeld der RPC Gelegenheit, mich mit dem Chefredakteur der deutschen Cthulhu-Linie, Heiko Gill, über die neuesten Entwicklungen zu unterhalten. Den folgenden Werkstattbericht veröffentlichten wir zuerst auf dem Ringboten, doch gerade im Zuge der RPC-Berichterstattung möchte ich ihn nun auch hier auf meinem Blog platzieren.

129888Die neue Regeledition für das traditionsreiche Rollenspiel „Cthulhu“ wirft deutlich ihre Schatten voraus. Nachdem bereits seit dem letzten Jahr die neuen Schnellstartregeln auf Deutsch zur Verfügung stehen, erschien nun mit „Die Priester der Krähen“ jüngst der erste Abenteuerband für die neue Edition. Allein das Grundregelwerk lässt noch ein wenig auf sich warten. Grund genug, mit Heiko Gill, seines Zeichens Chefredakteur der deutschen „Cthulhu“-Linie, ein wenig über den Stand der Dinge zu plaudern.
von Heiko Gill und André Frenzer

„Die Produktpipeline ist wirklich prall gefüllt“, verrät Heiko dann auch direkt zum Einstieg. „Doch alles steht und fällt mit der neuen Edition“. Tatsächlich wird der ursprüngliche Plan, die neueste Edition zur RolePlayConvention im Mai zu veröffentlichen, nicht eingehalten werden können. „Leider warten wir immer noch auf Datenmaterial von Chaosium, um unsere Arbeiten an der Übersetzung abschließen zu können“, erklärt Heiko bedauernd die Verzögerung.

Was sich ändert – eine Übersicht über die neuen Regeln

An dieser Stelle ist es vielleicht sinnvoll, einige der neuen Regeländerungen vorzustellen. „Eines der großen Erfolgsrezepte für „Cthulhu“ war es eigentlich immer, dass es sich kaum veränderte“ meint Heiko. „So können neu beginnende Spieler stets auf eine riesige Sammlung älteren Materials zurückgreifen“. Mit der siebten Edition wird erstmals an diesen Grundfesten gerüttelt. „Doch die so wichtige Abwärtskompatibilität ist weiterhin gegeben“.

Tatsächlich sind viele Änderungen an den Regeln eher kosmetischer Natur. Weiterhin ist „Cthulhu“ ein auf einem einfachen Prozentwurf basierendes System. Charaktere – nunmehr konsequent als „Investigatoren“ bezeichnet – setzen sich weiterhin aus (körperlichen und geistigen) Attributen sowie ihren erlernten Fertigkeiten zusammen. „Die Attribute werden nun ebenfalls in Prozenten angegeben und funktionieren damit einheitlich zu den Fertigkeiten“ erklärt Heiko. „Das vereinfacht die Handhabung am Spieltisch natürlich enorm.“ Auch die klare Strukturierung für „schwere Proben“ (auf den halbierten Prozentwert) und „extreme Proben“ (auf den gefünftelten Prozentwert) wird für mehr Klarheit an den Spieltischen sorgen, wurden Erschwerungen auf Proben doch bisher eher intuitiv gehandhabt.

„Etwas umfangreicher sind die Änderungen bei der Charaktererschaffung“, fährt Heiko fort. „Hier gibt es nun beispielsweise ein System, wichtige Hintergrundelemente zu bestimmen, die im späteren Leben eines Investigators eine Rolle spielen (können).“ Die Moderne hält also auch bei der Charaktererschaffung Einzug. Eine weitere Änderung betrifft die alte Widerstandstabelle. Sie wurde abgeschafft und durch vergleichende Würfe ersetzt. „Die Widerstandstabelle erwies sich in der Anwendung oft als klobig und wenig intuitiv“, führt Heiko aus. Ebenfalls neu sind Bonus- oder Strafwürfel, die der Spielleiter für besondere Erschwernisse oder Erleichterungen verteilen kann, sowie die Möglichkeit einen Wurf zu forcieren. „Wer eine Probe verpatzt, hat nun normalerweise die Möglichkeit, den Wurf zu wiederholen. Im Falle eines erneuten Scheiterns werden die Konsequenzen allerdings schlimmer“, erklärt Heiko dazu. Und wer legt diese Konsequenzen fest? „Letztendlich der Spielleiter. Doch als Hilfestellung sind die deutschen Abenteuerautoren angehalten, Vorschläge für solche Konsequenzen in ihre Abenteuer einzubauen“, erzählt Heiko.

Die Kampfregeln wurden um einige Manöver erweitert, insbesondere der Gegenschlag ist neu. „Kämpfe werden dynamischer“, verspricht Heiko. „Es sind einige neue Aktionen möglich, und die verschiedenen Angriffsformen wurden zusammengefasst. Das verspricht einen einfacheren, reibungsloseren Kampfablauf“.

Auch der für Cthulhu so wichtige Bereich der „geistigen Stabilität“ wurde regeltechnisch „in die Gegenwart geholt“. Die Überarbeitung dieser Regeln soll vor Allem die konkrete Spielbarkeit dieses Markenzeichens von „Cthulhu“ deutlich erhöhen.

Das neue Material

Zwar befindet sich die Arbeit am neuen Regelwerk – wie eingangs erwähnt – im Moment eher in der Warteschleife. Doch es ist trotzdem spannend, einen Blick auf die geplanten Produkte zu werfen. „Bislang haben wir „Cthulhu“ in einem Spielerhandbuch und einem Spielleiterhandbuch veröffentlicht“, wirft Heiko einen Blick zurück. „Ein Spielleiter musste immer beide Bücher besitzen, um tatsächlich leiten zu können. Diese Aufteilung wird nun ein wenig geändert. Geplant ist ein einzelnes Grundregelwerk, das alles für Spieler und Spielleiter wichtige Material enthält. Allerdings wird es zwei flankierende Erscheinungen geben – ein „Spielerkompendium“ mit ergänzenden Informationen speziell für Spieler, sowie ein „Spielleitermaterial“, dass auch einen Spielleiterschirm beinhalten wird.“ Dabei ist es Heiko wichtig zu erwähnen, dass grundsätzlich für das Spiel nur das Grundregelwerk benötigt wird. „Niemand ist gezwungen, plötzlich drei Bände zu kaufen, um „Cthulhu“ spielen zu können“, versichert er. „Doch die zusätzlichen Informationen und Materialien machen das Spiel interessanter und breiter“.

Rezension - Die Priester der KrähenParallel werden einige neue Abenteuerbände veröffentlicht. „Wir haben bereits den Abenteuerband „Die Priester der Krähen“ veröffentlicht. Um auch Einsteiger anzusprechen, haben wir uns dazu entschieden, einen günstigen Softcoverband zu produzieren.“ Das Buch enthält zwei Abenteuer, die aus alten Ausgaben der eingestellten „Cthuloiden Welten“ stammen. „Die Abenteuer wurden aber regeltechnisch überarbeitet, um reibungslos mit der siebten Edition zu funktionieren“, erklärt Heiko. „Es sind auch weitere Bände in dieser Richtung geplant. Demnächst erscheint mit „Das Geisterschiff von Caerdon“ der zweite Band mit alten CW-Abenteuern, später dann noch „Dr. Erben“. Ab 2016 sollen ebenfalls (vermutlich wieder 3 pro Jahr) Abenteuer-Softcover erscheinen. Die enthalten dann komplett neues Material –wenn ich nicht noch irgendwo verschollene Perlen entdecke, denen ich auf diese Weise eine Neuerscheinung verpassen möchte.“

Die Produktpipeline

Während also die Arbeiten an der neuesten Edition fast abgeschlossen sind, hat sich die Redaktion natürlich bereits Gedanken um die Folgepublikationen gemacht. Aber: „Durch die nicht von uns zu vertretende Verzögerung bei der Fertigstellung der Edition 7 ergibt sich ein allgemeiner Schub bei allen Bänden in die Zukunft, weil es immer weitaus schwieriger ist, etwas korrekt zu fertigen, wenn man mit improvisierten Hilfsmitteln arbeitet, statt fertig ausgearbeiteten Handwerkszeugen. Da weder Autoren noch Lektoren fertige Regeln der Edition 7 ihr Eigen nennen können, sind alle Arbeitsgänge entsprechend schwieriger. Aber alle sind weiter mit voller Kraft dabei, so anstrengend es auch immer gerade ist“, beschreibt Heiko die aktuelle Lage. Dennoch sind einige spannende Dinge in der Planung.

„Wir arbeiten an der Übersetzung der Kampagne „Tatters of King“. Dieser cthuloide Klassiker behandelt den König in Gelb und wird auf Deutsch unter dem Titel „Königsdämmerung“ in einem schicken Hardcover veröffentlicht“, plaudert Heiko. Außerdem sind zwei weitere Bände in Arbeit. Der Quellenband „Prag“ wird eine umfangreiche Beschreibung der tchechischen Hauptstadt in den 1920ern liefern, während „Unheimliche Unterwelt“ seinen Schwerpunkt auf Verbrechen in den USA der 1920er legt und überwiegend Abenteuer enthalten soll. „Leider ist es inzwischen sehr wahrscheinlich, dass sich mehrere dieser Bände über den Jahreswechsel auf Anfang 2016 verschieben werden“, sagt Heiko. „Aber wir arbeiten so schnell es die Umstände erlauben“.

Und hier noch der Link zum Original-Artikel.

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