Der Kampf um Irland

Weil es so schön zur aktuellen Ausgabe von Cthulhus Ruf passt, hier noch einmal ein cthulhu.de-Bestseller:

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 25. August 2010
Autor: Stefan Droste

cthulhu de stempel bestseller

Blickt man im spätestens seit dem 19. Jahrhundert in Richtung der britischen Inseln, wird man Zeuge einer besonderen politschen Bewegung: Dem Streben der Iren nach Unabhängigkeit von britischer Herrschaft und den daraus resultierenden blutigen Auseinandersetzungen und Kriegen. An kaum einem britischen Spielercharakter dürfte dieser Konflikt unbemerkt vorbeigegangen sein, und für Spielleiter bietet er zahlreiche Möglichkeiten, eine Runde mit historischem Rahmen auszustatten. Grund genug an dieser Stelle der irischen Unabhängigkeitsbewegung zu den Zeiten der entsprechenden Settings einige Zeilen zu widmen.

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Gaslicht – Fenians & Home Rule

Das seit jeher schwierige Verhältnis zwischen Iren und Briten erreichte im späten 19. Jahrhunderts eine neue Qualität. Die Forderungen nach mehr oder gar vollständiger Unabhängigkeit Irlands von Großbritannien wurde in dieser Zeit immer lauter. Ein zentraler Auslöser für diese Entfremdung war die Große Hungersnot durch die Kartoffelfäule zur Mitte des Jahrhunderts, in der gut ein Viertel der irischen Bevölkerung starb oder auswanderte, während die britische Regierung weitgehend tatenlos zusah. Bereits zuvor sahen sich viele Iren wirtschaftlich ausgebeutet, doch nun flammte offene Feindseeligkeit zwischen katholischen Iren und protestantischen Engländern auf.

Diese und ihre Nachkommen nämlichen besaßen einen Großteil des Landes – aus irischer Sicht unrechtmäßig. Aus dieser Unzufriedenheit formierten sich nationalistische Bewegungen wie die Irish Republican Brotherhood, nach dem Gefolge eines irischen Sagenhelden auch Fenians genannt. Dieser Geheimbund unterwanderte in der Heimat und im amerikanischen Exil wichtige Organisationen, verübte Überfälle und beschaffte Waffen für einen totalen irischen Freiheitskampf . In der parlamentarischen Politik erstarkte, etwas gemäßigter, gegen Ende des 19. Jahrhunderts die sogenannte Home Rule-Bewegung, die eine eigenständige irische Regierung innerhalb des Empires forderte. Zu diesem Zeitpunkt jedoch noch erfolglos.

Szenarioidee: Der legendäre Krieger Fionn mac Cumhaill wurde der Sage nach Anführer der Fianna nachdem er die schreckliche Fee Áillen besiegt hatte, die alljährlich zu Samhain den Sitz des Hochkönigs in Tara mit ihrem Feueratem niederbrannte, nachdem sie die Bewohner mit ihrer Musik in Schlaf fallen ließ. Was nun wenn einer der radikalen und abergläubischen Fenier sich entschließt Feuer wortwörtlich mit Feuer zu bekämpfen und diese schreckliche Wesenheit zu erwecken um sie an diesem Halloween mit Musik und Flammen auf den englischen Königshof loszulassen?

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Some died on the glenside, some died near a stranger
And wise men have told us their cause was a failure
But they fought for old Ireland and never feared danger
Glory O, Glory O, to the bold Fenian men.

– Peadar Kearney, “Down by the Glenside”

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Niemandsland – The Easter Rising

Im Jahre 1916, zu Ostern, griffen die gewaltbereiten irischen Republikaner schließlich zu den Waffen. Die Aufständischen besetzten eine Reihe von zentralen Gebäuden in Dublin und verlasen eine Proklamation zur Unabhängigkeit Irlands. Die britischen Truppen in der Stadt hielten jedoch das Schloss und die Waffendepots und ließen zur Überraschung der Iren sogar Kanonenboote das Feuer auf die besetzten Bauwerke eröffnen. Aus dem Umland wurden weitere Soldaten herangezogen und das Kriegsrecht über Dublin verhängt. An ein Einlenken von Seiten der Briten war nicht mehr zu denken – der Aufstand sollte schnell und blutig niedergeschlagen werden.

Am 29. April, fünf Tage nach Beginn des Aufstands, waren die Kämpfe in Dublin vorbei. Es waren an vielen Stellen Feuer ausgebrochen, es wurde geplündert, hunderte Soldaten und Zivilisten hatten den Tod gefunden. Die Männer der Irish Republican Army waren sich der Aussichtslosigkeit ihrer Aktion bewusst, hatten jedoch gehofft, der Rest des Landes würde sich ebenfalls erheben oder der Weltkrieg hätte die britische Armee zu sehr geschwächt. Die öffentliche Meinung kippte allerdings erst in den Nachwehen der Revolte: Die heimliche und brutale Hinrichtung der 15 republikanischen Anführer auf Befehl des britischen Befehlshabers sorgte für große Empörung in ganz Irland und brachte dem Aufstand nachträglich große Verehrung ein.

Szenarioidee: Die Artillerie der Briten die sie im Trinity College stationiert haben ist laut genug um Tote aufzuwecken. Wortwörtlich. Denn ohne dass jemand es ahnen würde lagert im Bibliothekskeller darunter ein besonders bösartiges Mythosbuch – mit dem Effekt, dass jeder Donnerschlag der Kanonen zu einem Fanal für die so grausam verhungerten Toten der Großen Hungersnot wird! Die britischen Truppen dürften not amused sein sich schon bald den rachedurstigen und vor allem sehr hungrigen Verstorbenen Irlands gegenübezusehen.

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Now and in time to be,
Wherever green is worn,
Are changed, changed utterly:
A terrible beauty is born.

– William Butler Yeats, “Easter, 1916″

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1920er – War of Independence & Civil War

Doch mit diesem Vorfall hatte die Gewalt in Irland gerade erst begonnen. Die noch immer nach nationaler Selbstbestimmung strebende Sinn Féin-Partei errichtete im Jahre 1919 mit großer Mehrheit ein eigenständiges Irisches Parlament, das First Dáil und rief erneut die Unabhängigkeit Irlands aus. Die IRA setzte diesmal auf Guerilliakrieg und Terror: Plünderungen, Attentate und Morde sollten die Briten in die Knie zwingen. Die britischen Truppen – teilweise brutale Söldnertrupps – antworteten in gleicher Weise mit Zerstörungen, Festnahmen und Erschießungen. Erst 1921 folgte schließlich der Anglo-Irische Vertrag, der Irland in einen Freistaat und Nordirland teilte und die Gewalt beenden sollte.

In den darauffolgenden Jahren jedoch floß nur noch mehr Blut auf der grünen Insel. Die Republikaner weigerten sich, Irland nur als Freistaat innerhalb des Empires zu sehen und wollten erneut die vollständige Souveränität mit Waffengewalt erzwingen. Ihnen gegenüber standen die Loyalisten, die den Anglo-Irischen Vertrag aufrecht erhalten wollten – ein Bürgerkrieg mit tausenden Toten brach aus. Gräueltaten und Morde auf beiden Seiten sorgte für eine tiefe Spaltung des Landes, zumal nun endgültig auch konfessionelle Unterschiede auf die Schilde geschrieben wurden. Die Befürworter des Vertrags konnten 1923 die Oberhand gewinnen und die IRA ergab sich. Mit dem Ende des Bürgerkriegs wurde damit auch die Trennung Irlands gefestigt.

Szenarioidee: Die Blacks and Tans sind wohl die berüchtigste britische Freiwilligentruppe in diesem Krieg. Untaten und Massaker gehen auf das Konto dieses Paramilitärs, welches sich hauptsächlich aus Veteranen des Weltkriegs zusammensetzt, die des Kämpfens noch immer nicht müde sind. Tatsächlich fällt auf dass der Kern dieser Mörderbande geschlossen aus einer ganz bestimmten Kompanie, um die sich so manche düstere Gerüchte ranken. Wer sind diese ewig blutdurstigen Menschen die von einem Krieg zum nächsten ziehen – und sind überhaupt Menschen?

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Take it down from the mast, Irish traitors,
The flag we Republicans claim.
It can never belong to Free Staters,
You brought on it nothing but shame.

– Dominic Behan, “Take it Down from the Mast”

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NOW – The Troubles

Der daraus resultierende Nordirlandkonflikt hält noch immer an, allen Friedensbemühungen und langsamen Teilerfolgen der letzten Jahre zum Trotz. Der blutige Konflikt hatte in den frühen 1970er Jahren seinen Höhepunkt und ist inzwischen offiziell für beendet erklärt worden, aber Splittergruppen von katholischen und auch protestantischen Paramilitärs weigern sich weiterhin die Waffen niederzulegen. Zu tief verwurzelt sind die Spannungen zwischen den getrennten Ethnien – und noch immer erschüttern unregelmäßige Anschläge und ständige Gewalt Nordirland. Sogar Kinder stehen unter konstantem Polizeischutz, wenn ihr Schulweg sie durch ein “falsches” Viertel führt.

Die Politik ist zerstritten, die Stimmung zum Zerreißen gespannt und die Waffen noch immer da. Ein Funke könnte genügen um eine erneute Gewaltspirale auszulösen und den offenen Krieg wieder in die Straßen von Belfast oder anderen Städten zu tragen. Mögliche Charaktere könnten sich auf beinahe allen Seiten des Konflikts wiederfinden: Bei den Nationalisten von Sinn Féin und IRA, den Unionisten und ihrem protestantischen Paramilitär oder der Nordirischen Polizei und Sicherheitskräften, die nicht selten für die Loyalisten Partei ergriffen hatten. Oder aber – und dass ist nicht das unwahrscheinlichste – die Charaktere finden sich wie so viele Zivilisten irgendwo zwischen den Fronten wieder. Und wer weiß ob sich diesmal nicht eine weitere Partei einmischt?

Szenarioidee: Endlich ist der Frieden erreicht! Hochrangige Gäste und einstige Feinde finden sich als Freunde zusammen um mit großem Zeremoniell endgültig das Ende der Gewalt in Nordirland einzuläuten. Nach alter irischer Sitte werden dazu die Waffen beider Seiten – unzählige Pistolen, Sturmgewehre und Sprengsätze – zusammengetragen und an einem zuvor bestimmten Ort vergraben. Natürlich braucht es hierzu eine besonders tiefe Grube – so tief sogar dass man etwas uraltes aus seinem Schlaf weckt! Schon bald dürfte man sich wünschen, nicht alle Waffen verbuddelt zu haben…

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It’s the same old theme since nineteen-sixteen.
In your head, in your head they’re still fighting,
With their tanks and their bombs,
And their bombs and their guns.
In your head, in your head, they are dying…

– Cranberries, “Zombie”

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