Zahlenmystik

Aus der Reihe „cthulhu.de-Bestseller“
Erstveröffentlichung: 18. Februar 2007
Autor: Daniel Neugebauer

cthulhu de stempel bestsellerDie Zahl ist das Wesen aller Dinge.
– Pythagoras von Samos

Wir haben 10 Finger, 7 Tage ergeben eine Woche, vor den 7 Todsünden kann uns nur die dreifaltig Gottes bewahren, 666 ist die Zahl des Teufels, ebenso wie die 13 die des Unglücks ist, 12 Monate ergeben ein Jahr und 2×12 Stunden hat ein Tag, es gibt 4 Elemente, die 0 ist eine Treppestufe der menschlichen Entwicklung und die 23 ist die Zahl der Zerstörung und der Illuminaten.

Zahlen und Ziffern begegnen uns jeden Tag und es gibt unendlich viele. Sie sind der Grundstein der ältesten Wissenschaft überhaupt: Der Mathematik. Doch bergen Zahlen nicht ein Rätsel in sich? Stecken in ihnen nicht Geheimnisse und Andeutungen die man entschlüsseln könnte, wenn man nur den richtigen Code hat? Sind die Zahlen von 1-12 und deren Vielfache in der Bibel nicht extrem häufig vertreten und ist das vielleicht ein Code? 12 Apostel, 12 Stämme Israels, Vater, Sohn und Heiliger Geist, 4 Evangelien, soll das alles nur ein Zufall sein? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Numerologie oder auch die Zahlenmystik. Diese „Wissenschaft“ sieht in Zahlen und deren Kombinationen außer ihrer mathematischen Bedeutung auch eine andere Bedeutung, die nicht direkt jedem auffällt. Nur derjenige der seine Augen öffnet, kann auch die Bedeutung sehen! Von den Naturwissenschaften als Pseudowissenschaft gescholten, weicht die Numerologie nicht von ihrer These ab und fördert so manch verblüffendes zu Tage. Ereignisse, Personen und Gegenstände lassen sich immer wieder mit bestimmten Zahlenfolgen und Ziffern in Verbindung bringen, das ist nicht abzustreiten. Die Naturwissenschaften erwidern bloß, dass es eben eine Unmenge an Verknüpfungen in der Geschichte gab und das daher eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass man zu beliebigen (nicht zu großen) Zahlen immer etwas Bemerkenswertes finden kann. Dabei werden andere Ereignisse, die nicht in das Theorieschema passen einfach ignoriert und schon entsteht ein verblüffendes Ergebnis. Aber kann man die geheime Sprache der Zahlen so einfach von der Hand weisen? Sind all diese Zahlenspiele bloßer Zufall, ein chaotisches Sammelsurium ohne Sinn und Verstand? Schauen wir uns einige Zahlen und ihre Bedeutung genauer an:

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Drei
Die 3 gilt in China als „Gute Zahl“, ähnelt sie doch dem Wort „lebendig“, ganz im Gegensatz zur 4 (siehe unten). Prinzipiell gilt die 3 als heilige oder göttliche Zahl (Dreifaltigkeit Gottes Vater-Sohn-Heiliger Geist). In vielen Kulturen wird der Jahres- und Lebenszyklus als Dreiheit gesehen (Wachsen – Fruchtbarkeit – Vergehen / Kindheit – Erwachsenenalter – Alter).

Vier
Die Zahl 4 ordnet die Welt: Angefangen von den 4 Elementen, über die 4 Himmelsrichtungen und Jahreszeiten, bis hin zu den Temperamenten des Menschen (Sanguinisch, Phlegmatisch, Melancholisch, Cholerisch) Neben der christlichen Zahlmystik der 4 (siehe auch die Zahl 7), gilt in Japan die Zahl 4 jedoch als Unglückszahl. Dort klingt 4 sprachlich wie das chinesische Wort Tod, weswegen kein einziges Hotelzimmer die Zimmernummer 4 hat. Auch im Kantonesischem verheißt die 4 nichts gutes, da sie hier dem Wort „sterben“ ähnelt. In Shanghai soll es keine Taxen mit der Unglückszahl geben, was die Unternehmen vor logistische Probleme stellt, da niemand gern in einem „Unglückstaxi“ fahren möchte.

Sieben
Die 7 nimmt eine besondere Stellung in der Zahlenmystik ein, gerade im Bereich der christlichen Zahlensymbolik. Die 7 steht für Ruhe und Frieden, aber auch für Gnade. Sie ergibt sich aus der Zahl 3 (Dreifaltigkeit Gottes) und der Zahl 4 (Symbol für die Welt, die 4 Elemente, die Himmels- und Windrichtungen) und steht somit für die Seele und den Leib des Menschen. Es gab 7 Weltwunder, 7 Tage bilden eine Woche, Gott erschuf die Welt in 7 Tagen, die 7 Todsünden versuchen den Menschen (Hochmut, Geiz, Völlerei, Zorn, Wollust, Neid, Trägheit), die 7 Tugenden des Kardinals (Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mäßigung, Glaube, Hoffnung, Liebe) sollen dagegen ein Vorbild sein, usw. Die Liste ist unendlich erweiterbar und nicht zuletzt ist die Zahl 7 die Lieblingszahl zahlreicher Menschen, ob da etwas hinter steckt?

Dreizehn
Die Unglückszahl 13 ist in vielen Kulturen und Gesellschaften verschrien, insbesondere wenn der 13. Tag eines Monats auf einen Freitag fällt (eine mögliche Erklärung liegt im Verrat von Judas an Jesus Christus: Judas war der 13. Anwesende beim Abendmahl und verraten wurde Jesus an Karfreitag). Etwa 40% aller amerikanischen Wolkenkratzer haben keinen 13. Stock, wobei die Anzahl bei Hotels höher ist als bei Büro- und Wohngebäuden (eine fehlende Nummer 13 im Hotelfahrstuhl fällt nicht so häufig auf). Doch nicht nur bei den Gebäuden spielt der Aberglaube eine Rolle: Es gibt bei der Lufthansa keine Sitzreihe 13, bei der Formel 1 startet niemand von der 13. Position und auch in Krankenhäusern wird auf Zimmern mit der Nummer 13 verzichtet. Die irrationale Furcht vor der Zahl 13 wird im Übrigen als Triskaidekaphobie bezeichnet und betroffene meiden Räume, Stockwerke und ganz allgemein die Zahl 13 um jeden Preis. Nicht zuletzt wird die Zahl auch als Teufelszahl bezeichnet.

Dreiundzwanzig
23 ist die Zahl des Unglücks, der Zerstörung und der Illuminaten. Sie wurde allerdings mit dieser Bedeutung von den Autoren Robert Anton Wilson und Robert Shea aufgeladen, in ihrem Buch Illuminatus. Der Trick bestand darin, die unheilsschwangere Zahl einfach sehr häufig zu erwähnen, um so den Leser für diese Zahl zu sensibilisieren. Fortan wird er in allem nach der 23 suchen und so baut sich eine bedrohliche Atmosphäre auf, denn die Zahl 23 ist überall und man findet sie wenn man nur nach ihr sucht. Demnächst erscheint ein Film zu diesem Thema, in deren Hauptrolle Jim Carry zu sehen sein wird.

Sechshundertsechsundsechzig
666 – Die Zahl des Tieres, des Antichristen, des Teufels. In der Offenbarung des Johannes 13,18 heißt es: „Hier ist die Weisheit. Wer Verständnis hat, berechne die Zahl des Tieres, denn es ist eines Menschen Zahl; und seine Zahl ist 666.“ Wenn man annimmt, dass das Kapitel der Offenbarung eine Art „Untergrundliteratur“ ist und demnach das Kapitel chiffriert ist, so entspricht die Zahl 666 eine verschlüsselte Form eines Namens. Man geht davon aus, dass die Offenbarung die Situation der Christen in der Antike beschreibt und das beispielsweise das im Kapitel erwähnte Babylon mit Rom gleichzusetzen ist. 666 wäre demnach die chiffrierte Form des Kaisers Nero oder Domitian. Es gibt auch Theorien, dass eigentlich die Zahl 616 die wahre Zahl des Tieres ist und das 666 nur ein Schreibfehler sein soll. Die 6 steht jedenfalls für den gegen Gott rebellierenden Menschen und erlebt durch die 666 eine dreifache Steigerung (man bedenke 3 ist die Zahl des göttlichen, also eine dreifache Abwertung des Göttlichen oder ein dreifaches Gegengewicht zur Dreifaltigkeit).

Cthuloide Zahlenspiele
Was bringt mir nun dieses Wissen? Zahlenmystik kommt im Cthulhu-Mythos eigentlich nicht vor, was aber nicht heißt das seltsame Codes oder verschlüsselte Botschaften fehl am Platze wären. Im Gegenteil, mit dem wahnhaften Fokus auf irgendwelchen obskuren Zahlensymboliken kann eine mentale Instabilität gut dargestellt werden. Ein Mann oder eine Frau der verbissen versucht in allem eine fremdartige Zahlenlogik zu erkennen, ist kaum noch zurechnungsfähig oder hat er hinter die Schleier geblickt und kennt nun die Wahrheit? Aber niemand schenkt ihm glauben, zu absurd ist die Geschichte das jedes 23. Wort auf der 23. Seite eines Buches einen Satz ergibt, der den Mythos beschreibt. Das kann nur ein Zufall sein, aber was wenn nicht? Was wäre wenn der Mythos sich schon so eingebürgert hat, dass er unterschwellig in den Geist kriecht und Autoren immer wieder und wieder dazu veranlasst dem empfänglichen Menschen dieselbe Botschaft einzuimpfen? Es muss ja nicht gleich „Ph’nglui mglw’nafh Cthulhu R’lyeh wgah’nagl fhtagn“ sein, auch düstere Botschaften oder verstörende Nachrichten wie „Die Eulen sind nicht was sie scheinen“ (das dürfte wohl jedem Twin Peaks Fan etwas sagen :-] ) lassen sich gut durch solche Textstücke vermitteln und sensibilisieren die Spieler für die Mystik der Zahlen. Entscheidend dabei ist, dass der Spielleiter oder Abenteuerautor versucht eine gewisse Feinfühligkeit zu entwickeln, so dass sich die Bedeutung von Zahlen unterbewusst einschleicht und sich vielleicht auch erst während des Spielabends der ein oder andere Überraschungsmoment ergibt.

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