Rezension: Die Bestie 2 – Die Träume des Nophru-Ka

Die nächste große Kampagne für „Cthulhu“, „Die Bestie“, geht in die zweite Runde. Nachdem mit dem ersten Band „Präludium“ die Charaktere an die grausigen Machenschaften einer weltweiten Verschwörung herangeführt wurden, legt Pegasus nun mit „Die Träume des Nophru-Ka“ das Zwischenspiel der Kampagne vor.

Rezension - Die Bestie 2 - Die Träume des Nophru-KaWie auch bereits bei der Rezension des ersten Bandes sei eine Spoiler-Warnung vorweggeschickt: Die Besprechung der Abenteuer kommt kaum komplett ohne Spoiler aus. Wer die Kampagne noch als Spieler erleben möchte, dem sei angeraten, die nächsten Abschnitte zu überspringen.

Die Rahmenhandlung der Kampagne wurde bereits im ersten Teil erläutert, sodass dieser zweite Band – nach einem kurzen Vorwort – gleich in die Abenteuerhandlung einsteigt. Die Szenarien des zweiten Bandes schließen sich dabei nahtlos an die Ereignisse des Vorgängerbandes an. Die Gruppe, die in „Die Söhne des Horus“ im tiefsten Ägypten auf einen uralten Kult stieß, folgt nun dessen Spuren in die neue Welt nach Boston. Hier laufen im Abenteuer „Das Ding im Brunnen“ zwei unabhängige Handlungsfäden ineinander, die es von den Charakteren zu entwirren gilt. Einmal kommen sie wieder in Kontakt zu dem undurchsichtigen Konzern NWI, auf der anderen Seite halten sie brutale Morde an Kindern in Atem. Von Boston aus führt die Spur die Charaktere nach Transsilvanien. Das Abenteuer „Die Burg“ spielt dabei mit allen Klischees, die wohl jedem Mitteleuropäer beim Klang dieses Namens vor Augen stehen. Atmosphärisch dicht, wird es wohl eines der härtesten zu bestehenden Abenteuer für die Charaktere werden, denn der Antagonist kennt wenig Erbarmen – auch, wenn er mit einem Vampir so gar nichts zu tun hat.

Von Transsilvanien aus geht es an Bord eines Flugzeuges nach Malta, wo „Inselreigen“ auf die Charaktere wartet. Ein echter Brocken für den Spielleiter, denn immerhin vier verschiedene Handlungsstränge wollen verwaltet werden, während den Charakteren darüber hinaus noch einiges an gesellschaftlichen Verpflichtungen entgegengehalten werden soll. Denn man hält die Gruppe irrtümlich für englische Spezialagenten, in deren Haut sie nun nationalistischen Terroristen auf die Spur kommen sollen. Dass sie dabei auf weit grausigere Umtriebe stoßen, versteht sich wohl von selbst – doch trotz umfangreicher Niederschrift wird viel Arbeit auf den Spielleiter warten. Von Malta aus geht es wieder nach Ägypten, wo die Charaktere in „Die Blutlinie“ unter dem Einfluss magischer Mittel Jahrhunderte in die Vergangenheit geschleudert werden und die Chance erhalten, an einer Expedition teilzunehmen, die den Ursprung der „Bestie“ beleuchtet. Ein spannendes Intermezzo; während viele Szenarien aber auch für sich alleine stehend überzeugen können, ist hier erstmals außerhalb der Kampagne kein Nutzen aus dem Abenteuer zu ziehen.

Das fünfte Szenario, „Die Bibliothek“, ist nicht mehr denn ein kurzes Zwischenspiel. Es führt einfallsreiche und mutige Charaktere in eine außerirdische Bibliothek, wo sie sich einige Hintergrundinformationen über ihre Gegner aneignen können. Zuletzt stattet die Gruppe in „Das Grabmal“ der letzten Ruhestätte Nophru-Kas einen Besuch ab. Neben einigen undurchsichtigen Begegnungen unter Tage hat das Szenario aber recht wenig zu bieten.

Abgerundet wird der Band schließlich mit gleich vier umfangreichen Regionalia-Artikeln: So finden sich Texte über Boston, Transsilvanien, Malta und G’harne in dem Band wieder. Damit werden eigentlich alle wichtigen Handlungsorte noch einmal näher vertieft. Insbesondere die Artikel über Boston und Transsilvanien sind dabei aber eher trockene Reiseführer, bei denen tiefergehende Mythos-Verzweigungen kaum angerissen werden und somit wenig zu einem weiteren, cthuloiden Besuch der vorgestellten Orte einladen. Besser ist da der Artikel über Malta gelungen, der in der einzigartigen Geschichte Maltas stets neue Spuren des Mythos zu präsentieren vermag. Und G’harne ist ohnehin eine Mythoslokalität, wie sie in manch verbotenem Buche beschrieben sein mag.

„Die Bestie 2 – Die Träume des Nophru-Ka“ enthält kaum optische Überraschungen. Der Band ist reichhaltig bebildert, die Seiten wie die eines altertümlichen Folianten aufgemacht. Wie auch im Vorgänger wurde die für „Cthulhu“-Bände übliche Bebilderung mit zeitgenössischen Photographien teilweise durch gezeichnete Bilder aufgelockert, die mich aber wiederum nicht überzeugen konnten. Dafür sind aber die Handouts wieder zahlreich und wunderschön geworden und auch die zahl- und hilfreichen Karten im Regionalia-Teil sollen positiv erwähnt werden.

Fazit: Auch nach dem zweiten Teil mag sich mir der Spannungsbogen der Kampagne nicht recht erschließen. Zwar konnten die Charaktere einige wertvolle Informationen in den vorliegenden Abenteuern erhalten, doch noch immer ist nicht wirklich klar, wen sie eigentlich suchen und was es zu verhindern gilt. Ein Kampagnenfazit bleibt somit dem dritten Teil vorbehalten. Was bleibt sind drei sehr spannende und atmosphärisch dichte Abenteuer, die viel Arbeit für den Spielleiter bedeuten, drei eher als Zwischenspiel zu verstehende Episoden, die eher der Informationsbeschaffung dienen und ein Haufen Hintergrundmaterial, das oft trocken daherkommt. Für Spieler der Kampagne natürlich absolut empfehlenswert, in meinen Augen aber etwas schwächer als der erste Band.

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich auf Ringbote.de

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