Rezension: Die Goldenen Hände Suc’Naaths und andere Abenteuer

Bereits seit einiger Zeit veröffentlicht Pegasus im Rahmen des „Cthuloide Welten Archiv“ ausgewählte Artikel aus dem seligen „Cthulhu“-Hausmagazin „Cthuloide Welten“ als PDF. In insgesamt 21 Ausgaben haben sich auch viele lesenswerte Artikel angesammelt, die auf diesem Wege der Spielerschaft wieder zugänglich gemacht werden sollen. „Die Goldenen Hände Suc’Naaths und andere Abenteuer“ versammelt dabei drei Szenarien unterschiedlicher Couleur.

Rezension - Die Goldenen Hände Suc'Naaths und andere AbenteuerInsgesamt drei Abenteuer aus längst vergriffenen „Cthuloide Welten“-Ausgaben enthält der vorliegende Abenteuerband. Das erste Szenario, das titelgebende „Die Goldenen Hände Suc’Naaths“ von Peter Schott bedient sich dabei nicht einer, sondern gleich vieler interessanter Ideen: Im Rahmen der Eröffnung einer Museumsausstellung wird die Gruppe mit übernatürlichen Phänomenen konfrontiert. In den nächsten Tagen geben sich Besucher mit unterschiedlichsten Absichten bei den Charakteren die Klinke in die Hand – und einer von ihnen spielt eine ganz besondere Rolle … Das Szenario lebt von einer vom Autoren großartig gewählten Symbolik. Darüber hinaus ist es sehr frei angelegt und funktioniert in verschiedenen Abläufen hervorragend. Einziger Wermutstropfen: Einem Spieler – beziehungsweise seinem Charakter – wird fremdbestimmt eine Rolle in diesem Szenario aufgedrückt, die ihn nicht unbedingt glücklich machen wird. Wen dies nicht stört, der erhält ein solides, spannendes Abenteuer.

Als zweites Szenario folgt „Soweit die Träume tragen“ von Sixt Wetzler. Das gesamte Szenario unterscheidet sich im Aufbau deutlich von den üblichen cthuloiden Szenarien. Denn auch wenn manchmal bemängelt wird, „Cthulhu“-Szenarien enthielten zuviel Prosa, so sind die handelsüblichen Szenarien im Vergleich zu diesem enorm spielleiterfreundlich: „Soweit die Träume tragen“ wird nahezu komplett als erzählte Geschichte vorgelegt. Es führt die Charaktere in die Traumlande und darüber hinaus, ist märchenhaft, malerisch schön und erschreckend grausam zugleich und sprudelt über vor Kreativität. Wer wenig Probleme mit einem Plot auf Schienensträngen hat, erhält hier eine wundersame, wenn auch nicht ganz kanongetreue, Reise in die Traumlande.

Das dritte Szenario, „Staub zu Staub“, stammt vom amerikanischen Autoren Kevin Ross. Es spielt in Lovecraft Country, hier aber nicht in einer der berühmten Städte Arkham, Innsmouth, Kingsport oder Dunwich sondern in dem verschlafenen Küstennest Martins Beach; entsprechend fand es nicht seinen Weg in die Lovecraft-Country-Bände des Pegasus-Verlags und wurde in der „Cthuloiden Welten“ veröffentlicht. Es führt die Charaktere auf der Suche nach einem verschwundenen Leichnam auf die Spuren der H. P. Lovecraft-Geschichte „Herbert West: Reanimator“ und damit zu einem Haufen wandelnder Leichname und tiefen, menschlichen Abgründen. Ein offen angelegtes, auf Schockeffekte ausgelegtes Szenario, das mir bei der Lektüre sehr gut gefallen hat.

Wie auch bei den vorhergegangenen „Cthuloide Welten Archiv“-PDFs wurde für die Wiederveröffentlichung das Material dezent überarbeitet. Der Aufbau einiger Szenarien wurde leicht verändert und auch eine neue Bebilderung wurde vorgenommen. Einige Handouts wurden neu aufgesetzt, manche sogar dank dem neuen Medium PDF auch in Farbe. Das gesamte Layout wurde an das bekannte Layout der 3. Edition angepasst. Die Seiten wirken wie ein altertümlicher Foliant, die Bebilderung ist reichhaltig. Insbesondere die von Ralph Kretschmann stammenden Illustrationen des Traumlandeabenteuers versprühen eine faszinierend-märchenhafte Atmosphäre. Die reiche Bebilderung in guter Qualität und die – wie üblich – optisch hervorragenden Handouts führen damit beim Layout zu einer guten Note.

Fazit: Ein wenig hin- und hergerissen fühle ich mich schon: Alle drei Abenteuer sprühen vor Kreativität. Sie sind abwechslungsreich und bieten Horror auf angenehm hohen Niveau. Insbesondere die ersten beiden Szenarien sind allerdings nicht für jede Spielgruppe geeignet – wer „Bahnfahrten“ am Plotstrang entlang vermeiden möchte oder ein Problem damit hat, einem Spieler seiner Gruppe streckenweise die Hoheit über seinen Charakter zu nehmen, der sollte von diesem Sammelband die Finger lassen. Alle anderen erhalten gewohnt gute, cthuloide Unterhaltung.

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich bei Ringbote.de

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