Abseits des Gewöhnlichen reloaded!

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Der Karneval der Rollenspielblogs beschäftigt sich in diesem Monat mit dem Thema “Ungewöhnliche Gegner“. Danke an NerdGedanken für die Organisation.

Für einen Cthulhu-Blog wie es dieser hier darstellt ist das ein äußerst undankbares Thema: bei Cthulhu sind die meisten Gegner äußerst ungewöhnlich. Auf der einen Seite wären da die ausserweltlichen Schrecken des Mythos zu nennen, die neben den offensichtlichen physischen Außergewöhnlichkeiten – Flügeln, Flossen, Tentakel, Augen an den unmöglichsten Stellen und zahllose zahnbewehrte Mäuler – auch noch eine sehr eigene Agenda verfolgen, in denen der Mensch mit all seinen Errungenschaften im besten Fall eher eine Randnotiz darstellt. Auf der anderen Seite finden sich die menschlichen Anhänger dieser Wesen oft auf der Antagonistenseite wieder – verblendete, egozentrische Zeitgenossen, deren Beschäftigung mit dem Mythos längst ihren Verstand zerstört hat. Sie sind wahnsinnig, genial, unberechenbar und bar jeglichen menschlichen Mitgefühls. Viele Dinge, die in der klassischen EDO-Fantasy schon als ungewöhnlich gelten dürfen, stehen hier doch oft die Machtgelüste der Kontrahenten im Fokus. Was also kann ich zum diesmonatigen Karnevalsmonat beitragen?

In der WunderWelten #46, erschienen im November 1998, ist ein wunderbarer Artikel mit dem Titel „Cthulhu: Abseits des Gewöhnlichen“ enthalten. Der Autor Graeme Davis erkannte bereits damals eben dieses Problem: das Außergewöhnliche, der Mythos, wird rasch gewöhnlich, wenn man den Kampf zu oft aufgenommen hat. Um etwas Abwechslung in die cthuloiden Runden zu bringen und auch einmal neue Ufer anzusteuern, listet der Artikel einige interessante Mythen und Monstren auf, die nichts mit dem Mythos zu tun haben und sich dennoch hervorragend für eine Cthulhu-Runde eignen mögen. Und eben in diese Kerbe schlägt auch dieser Artikel – was für ein anderes Rollenspiel als gewöhnlicher Gegener durchgehen mag, ist es für mythoserfahrene Ermittler eben nicht – diese Gegner werden plötzlich als ungewöhnlich und willkommene Abwechslung erfahren. Ich will nun einige Beispiele geben.

Gangsterkartelle
Ein beliebtes Spielzeug zahlreicher kriminalistisch oder auch pulpig veranlagter Rollenspiele sind Gangsterkartelle. Sei es die italienische Mafia, ihr japanisches Pendant, berühmte Gangsterbosse wie Al Capone und seine Handlanger oder Drogenschmugglerringe – hier finden sich Bösewichte und Ansatzpunkte für Szenarien in rauen Massen, die den Mythos nur am Rande zum Thema haben müssen. Auf cthulhu.de fand (und findet sich hoffentlich bald wieder…) ein hübscher Artikel rund um Noir-Krimis, die sich hervorragend als Hintergrund für ganze Kampagnen nutzen lassen. Dabei ist es zweitrangig, auf welcher Seite die Charaktere stehen – natürlich können sie als Detektive oder Cops den Verbrechern auf der Spur sein. Der cthuloide Chefredakteur Judge Gill zeigt allerdings im Cthulhu-Forum, wie eine Kampagne auf seiten der Mafia aussehen kann – und wie sich kriminalistische Szenarien mit cthuloiden vermischen können.

Voodoo
Der Voodoo ist eigentlich eine „richtige“ Religion. Interessant ist der Beitrag im Arcana Cthulhiana von Pegasus, doch auch der Wikipedia-Artikel enthält natürlich viele nüchterne Fakten zum Thema. Doch sind wir ehrlich: in unserer klischeebeladenen europäischen Sichtweise steht Voodoo für Totenkult, schwarze Magie, geköpfte Hühner und Voodoo-Puppen, mit denen sich schreckliche Dinge anstellen lassen. Auf Haiti, in New Orleans oder in Miami finden sich große Voodoo-Kulte, die genau diese Klischeebilder bedienen können. Vielleicht legen sich die Charaktere mit einem Voodoo-Priester an und werden plötzlich von einem ausgesandten Zombi verfolgt? Oder werden Opfer eines ungewöhnlichen Fluchs? Vielleicht treffen sie sogar auf Persönlichkeiten wie Marie Laveau? Oder sie müssen einmal eine ganz andere Traumreise unternehmen, um die geisterhafte Welt der Loa betreten zu können und einen Freund von seiner Besessenheit zu befreien?

Vampire, Werwölfe, Nachtmahre
Die Welt des Cthulhu-Mythos ist voll von ungewöhnlichen Kreaturen – das habe ich oben bereits beschrieben. Doch in der irdischen Mythologie – und auch in der modernen Horror-Literatur – gibt es zahlreiche Kreaturen und Wesen, die zwar für eine gute Gruselgeschichte herhalten können, aber so gar keinen Bezug zu den kosmischen Schrecken haben, die Lovecrafts Werk heraufbeschwört. Nichts desto trotz sind vielleicht gerade diese Kreaturen für eine kreative Abwechslung gut, auch und besonders, wenn sie in ihrer erwohnten und erwarteten Rolle auftreten – ganz ohne Einbettung in den Mythos.

Dinosaurier
Ein Thema, das auch Graeme Davis in seinem oben erwähnten Artikel bereits bearbeitete, sind Dinosaurier: zu Lovecrafts Lebzeiten waren nicht nur Horrorgeschichten wie in den Weird Tales populär: H.G.Wells hatte bereits im 19. Jahrhunder mit „Die Zeitmaschine“ das Thema Zeitreisen populär gemacht und Arthur Conan Doyle legte 1921 mit „Lost World“ nach und verlegte Dinosaurier einfach überlebend in die heutige Zeit. Das BRP-Regelsystem eignet sich – spätestens nach ein oder zwei unspektakulären Regeländerungen, wie sie zum Beispiel im Hexer von Salem zu finden sind – hervorragend, um pulpige Szenarien wie „Lost World“ nachzustellen. Und es ist sicherlich einmal eine interessante Abwechslung von der dritten Sichtung Tiefer Wesen vor irgendeiner gottverlassenen Küste.


Es gibt sicher noch eine Menge anderer Beispiele, die ich hier anführen könnte – aber zu dieser späten Stunde nicht mehr möchte. Der Kerngedanke dieses Artikels ist aber sicher transportiert: bei Cthulhu wird das Gewöhnliche plötzlich Ungewöhnlich – und umgekehrt. Wer eine Abwechslung auf der Jagd nach cthuloiden Mythosschrecken braucht, findet hier hoffentlich die eine oder andere Anregung. Ergänzende Kommentare sind aber gerade hier und heute gerne gesehen!

2 thoughts on “Abseits des Gewöhnlichen reloaded!

  1. Pingback: Ungewöhnlich wandelbar! | d6ideas

  2. Pingback: Greifenklaue Podcast #23 – NachMEssen & Ungewöhnliche Gegner | Greifenklaue's Blog

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