Rezension: Cthulhu Wildwest – Stirb aufrecht, Kultist!

Eine der großen Stärken des „Cthulhu“-Rollenspiel ist die Möglichkeit, es in jeder erdenklichen Epoche der Menschheit anzusiedeln. So sind die verschiedensten Hintergründe für Spielrunden möglich. Mit dem vorliegenden PDF soll nun der Wilde Westen zugänglich gemacht werden. Die enthaltenen Regeln und Szenarien sind bereits im Rahmen verschiedener Ausgaben der „Cthuloiden Welten“, dem eingestellten Hausmagazin von Pegasus erschienen und werden nun auf diesem Weg wieder zugänglich gemacht.

Rezension - Cthulhu Wildwest - Stirb aufrecht, KultistIm Vorwort des insgesamt 80 Seiten starken PDF wird dann auch gleich erläutert, über welche Ausgaben des Magazins verstreut das Material bislang vorlag. Es wurde nun zusammengefasst, redigiert und neu zusammengestellt, um den in den nun vorliegenden Quellen- und Abenteuerband zu formen.

Es folgt eine umfangreiche, aber behutsame Regelsektion, die die Regeln des Rollenspiels in den Wilden Westen transportiert. Neue Fertigkeiten werden ebenso eingeführt wie zahlreiche neue Berufe, die den Spielercharakteren zur Verfügung stehen. Etwas umfangreicher ist die Überarbeitung der Kampfregeln ausgefallen, ist doch „Cthulhu“ nicht unbedingt für seine epischen Kämpfe bekannt. Es werden einfach umsetzbare Vorschläge unterbreitet, um den Charakteren ein wenig mehr Durchhaltevermögen zu verleihen und cineastische Action und dramatische Schießereien zu ermöglichen. Ebenso wurde auch an eine leichte Überarbeitung der Regeln für Wahnsinn gedacht, waren doch insbesondere die Heilmöglichkeiten in jener Zeit eher uneffektiv. Zu guter Letzt findet sich am Ende des PDF auch ein auf die neuen Regeln abgestimmter Charakterbogen.

Es schließen sich zwei Szenarien an, die den neuen Hintergrund gleich spielbar machen sollen. Das erste Szenario, „Die Jagd nach Kid Karson“, ist nicht viel mehr als eine kurze Szene, die die Charaktere in den Wilden Westen einführen soll: Auf der Jagd nach dem gesuchten Verbrecher Kid Karson und seiner Bande treffen die Charaktere kurz vor seinem Versteck aufeinander. Werden sie das Kopfgeld erbeuten können? Das zweite Szenario, „Der goldene Skorpion“, baut auf den Ereignissen des ersten Szenarios auf: Die Charaktere sind in den Besitz einer Schatzkarte gekommen und machen sich nun auf nach New Mexiko, um unendlichen Reichtum zu erlangen … Das Szenario hat durchaus seine Stärken: Es bietet einen komplexen und umfangreichen Rahmen für eine cthuloide Wild-West-Kampagne und ist wohl auch als solcher zu verstehen. Als eigenständiges Abenteuer hat es gerade im Rahmen dieser PDF aber seine Schwächen: Zum einen transportiert es verhältnismäßig wenig „typisches“ Wild-West-Feeling, zum anderen werden die Charaktere geradezu auf Bahnschienen durch die wichtigsten Etappen des Abenteuers geführt. Wer sich darauf einlassen kann, der erhält aber einen wirklich ungewöhnlichen Kampagnenrahmen.

Für die Wiederveröffentlichung wurde das Layout der alten „Cthuloide Welten“-Artikel überarbeitet, sodass es optisch nun zu den übrigen PDF-Veröffentlichungen passt. Das Dokument ist wirklich reichlich bebildert, die Seiten sind wie die eines altertümlichen Folianten aufgemacht. Die verwendeten Bilder sind äußerst stimmungsvoll – Fahndungsfotos, Filmplakate und alte Photographien säumen zahlreich die Seiten. Auch auf die öfters bemängelten grauen Schnörkel im Hintergrund, die Teile der Schrift unleserlich machten, wurde großteils verzichtet. Zahlreiche Karten erleichtern dem Spielleiter das Leben, und die – wieder in Farbe zur Verfügung gestellten – Handouts sind eine wahre Augenweide. Für das Layout gibt es damit eine gute Note.

Fazit: Es ist ein ungewöhnlicher Hintergrund für cthuloide Schrecken, den Pegasus mit diesem PDF erschließen will. Gelungen ist es leider nicht ganz: Die Regeländerungen und die neuen Fertigkeiten und Berufe sind durchdacht und gut auf das Setting abgestimmt. Leider liefert aber keines der mitgelieferten Szenarien eine klare Vorstellung davon, wie sich Cowboys, Indianer und Revolverhelden mit den außerweltlichen Schrecken des Cthulhu-Mythos vereinbaren lassen. Wer sich daran aber nicht stört, Regeln für harte, cineastische Action sucht und eine eigene Vorstellung vom cthuloiden Wilden Westen mitbringt, der findet hier alles, was er braucht.

PS: Diese Rezension erschien ursprünglich bei Ringbote.de

3 thoughts on “Rezension: Cthulhu Wildwest – Stirb aufrecht, Kultist!

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