Rezension: Cthulhus Ruf Ausgabe 3

Zehn Jahre und damit stolze 21 Ausgaben lang versorgte das offizielle Magazin „Cthuloide Welten“ die „Cthulhu“-Spielerschaft mit zahlreichem Spielmaterial. Abenteuer, Regionalia-Artikel, berühmte Persönlichkeiten der 1920er, außergewöhnliche Orte oder Geschehnisse und auch interessante Regelergänzungen fanden sich in dem leider eingestellten Magazin. In die großen Fußstapfen, die die Cthuloiden Welten hinterließen trat vor einem Jahr „Cthulhus Ruf – Die cthuloide Zeitung von Fans für Fans“, deren dritte Ausgabe nun vorliegt.

Rezension - Cthulhus Ruf 3Zu Beginn dieser Rezension stellt sich die moralische Frage, ob man eine Publikation rezensieren darf, an der man zu einem kleinen Teil selbst beteiligt ist. Begeistert über das Konzept und den Inhalt der Vorgängerausgaben habe ich mich nämlich dazu hinreißen lassen, selbst einen Artikel zu verfassen, der sich auch prompt in dieser dritten Ausgabe wiederfindet. Ich werde den schmalen Grat dennoch betreten und versuchen, meinen Artikel bei dieser Rezension einfach auszuklammern.

Der Ersteindruck des inoffiziellen Erbe des Magazins „Cthuloide Welten“ deckt sich mit den Vorgängerausgaben. Das Magazin (dessen Cover wieder im Stile einer Tageszeitung im A3-Querformat um das gesamte Heft gelegt wurde) hat ein Cover aus etwas schwererem Papier spendiert bekommen, was sich in der Haptik sowie in der Langlebigkeit des Produktes positiv niederschlägt. Auch fällt auf, dass zwei Pappseiten eingeheftet sowie ein schmales A5-Heft beigelegt wurden. Die Materialfülle ist für den niedrigen Preis von gerade einmal 6,- € erstaunlich. Layout und Bebilderung orientieren sich an den gut gemachten Vorgängerausgaben; allerdings wurde noch eine kleine Schippe draufgelegt, was für eine tolle Optik sorgt. Man hat sofort das Gefühl, ein professionelles Produkt in Händen zu halten.

Kommen wir nun zum Inhalt des Magazins. Eröffnet wird die dritte Ausgabe wieder mit der Kolumne „Flüstertüte“ und einer – wie üblich kontrovers angelegten – Meinung über die richtige Zusammenstellung der eigenen Spielgruppe. Es schließt sich ein umfangreicher Artikel über cthuloide Comics an. Als absoluter Nichtkenner der Materie kann ich sagen, dass man einen schönen Überblick als Einstieg erhält. Ob aber alle wichtigen Publikationen abgedeckt sind, mag ich nicht beurteilen. Mir persönlich sind allerdings ohnehin Artikel mit direktem Spielbezug lieber. Doch die folgen sogleich:

Mit „Die Tänze des Mittelalters“ findet sich der erste Artikel mit direktem Spielbezug wieder; beschrieben werden verschiedene mittelalterliche Tänze, werden auf ihre Rolle in möglichen Ritualen hin untersucht. Es schließen sich interessante Szenariovorschläge an. Ein ungewöhnliches Thema, auf dem auch gleich das erste vollwertige Szenario, „Der Herr von Nombrecht“ aufbaut. Die Charaktere reisen als klösterliche Gesandtschaft auf die düstere Festung Nombrecht, um dem neuen Fürsten die Ehre zu erweisen – und den gewaltsamen Tod des alten zu untersuchen. An wessen Händen klebt Blut? Können die Charaktere die grauenvollen Intrigen auf Burg Nombrecht entwirren, ehe mit dem großen Ball die Festlichkeiten ihren Höhepunkt finden? Cthuloide Mittelalterszenarien neigen dazu, ein wenig wie Fantasy-Szenarien daherzukommen, ein Umstand, den dieses Szenario gekonnt zu umschiffen weiß. Viel Handlungsfreiheit für die Charaktere und wenig Mythosbezug bis zum großen Finale sorgen für eine gute Zwischennote.

Das nächste Szenario, „Die Morde des Herrn S.“ ist im Berlin der 1920er Jahre angesiedelt und baut lose auf einem Szenario in aus der – leider vergriffenen – ersten Ausgabe von Cthulhus Ruf auf. Ein unerbittlicher Heckenschütze und Morde an den Mitarbeitern eines Chemiewerkes rufen die Charaktere auf den Plan. Doch es ist nicht alles so, wie es scheint und bald wird es schwer, Opfer und Täter zu unterscheiden. Auch dieses Szenario hat mir gefallen und besticht mit einer durchdachten Geschichte, interessanten NSC und viel Handlungsfreiheit.

Es folgen einige schöne, kleine Artikel die viel spielbereites Material enthalten. Im Stile der „Tales of Terror“ werden drei Abenteuerideen für Cthulhu NOW rund um das Thema „Flashmobs“ gegeben, in dem Artikel „Lübeck – Die Stadt der sieben Türme“ wird ein interessanter Regionalia-Artikel aus der Sicht eines Janobiten dargeboten, mein Artikel rund um ein Buddelschiffmuseum enthält einige Szenariovorschläge und abgerundet wird die Ausgabe schließlich wieder mit dem „Charakter der Ausgabe“, der dieses mal etwas unnahbarer als in den Vorgängerausgaben daherkommt.

Das beiliegende Extra-Heft schließlich enthält das von Frank Heller geschriebene und von Stefan Droste umfangreich überarbeitete „Cthulhu Piraten“ mit zahlreichen Regelergänzungen, einer Waffentabelle, Szenario-Vorschlägen und, und und. Es ist hübsch aufgemacht und ausreichend bebildert – einziger Wermutstropfen ist vielleicht, dass Regelvorschläge aus vorigen Ausgaben nicht übernommen wurden. So verteilt sich das verfügbare Material zu „Cthulhu Piraten“ doch wieder über verschiedene Publikationen.

Fazit: Eine Menge spielbares Material in professionellem Layout zu einem unschlagbar günstigen Preis. Wer Interesse an Horror-Rollenspielen im Allgemeinen hat, kann durchaus einen Blick riskieren. Für Cthulhu-Spieler führt hier fast kein Weg vorbei.

2 thoughts on “Rezension: Cthulhus Ruf Ausgabe 3

  1. Quote:
    Es schließt sich ein umfangreicher Artikel über cthuloide Comics an. Als absoluter Nichtkenner der Materie kann ich sagen, dass man einen schönen Überblick als Einstieg erhält. Ob aber alle wichtigen Publikationen abgedeckt sind, mag ich nicht beurteilen.

    Da kann ich helfen, als Verfasser des Artikels🙂

    Ich hab mich bemüht, eine möglichst vollständige Liste aller Publikationen zu erstellen, die aber mittlerweile schon wieder ein klein wenig veraltet ist, da es zumindest zwei neue – mir bekannte – Publikationen gibt. Es ist aber jedenfalls umfassend genug, dass man den in der Rezi erwähnten Überblick erhält. Teilweise ist es auch etwas schwierig zu sagen, ob nun eine Story noch etwas mit dem Mythos zu tun hat oder ob es sich nur um ganz kleine Verweise handelt, die dann schon fast zu wenig sind. Ein Teil des Artikels ist auch notwendigen Kürzungen zum Opfer gefallen, ob und wie ich das mal unter die Leute bringe kann ich nicht sagen und würde es vorher auch gerne mit den Machern vom Ruf besprechen

  2. Pingback: Nach-Ruf: Good Bye, Cthulhus Ruf – Seanchui goes Rlyeh

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