Rezension: Kinder des Käfers

Es gibt Szenarienbände, die umranken zahlreiche Legenden und Mysterien. Der Sammelband „Kinder des Käfers“, der in diesem Jahr seinen zehnten Geburtstag feiert, ist einer dieser Bände. Bei Ebay zu absoluten Mondpreisen gehandelt, stelle ich mir heute die Frage, ob das wohl gerechtfertigt ist!

cthulhu_kinder_des_kaefersEin stabil wirkendes Softcover mit Klebebindung präsentiert auf insgesamt 152 Seiten gleich vier Szenarien, die allesamt für Einsteiger sowohl unter den Spielleitern als auch unter den Spielern geeignet sein sollen. Dabei handelt es sich um drei aus dem amerikanischen übersetzte Szenarien sowie ein brandneues aus deutscher Feder. Stürzen wir uns gleich ins Vergnügen:

In dem ersten Szenario Mister Corbitt kommen die Charaktere den unheimlichen Machenschaften eines Nachbarn auf die Schliche. Durch Zufall offenbart der scheinbar nette Nachbar sein wahres Gesicht. Als sich die Chance einer heimlichen Hausdurchsuchung ergibt, stoßen die Charaktere auf schreckliche Geheimnisse… Das Szenario wurde im Vergleich zum englischen Original (das ich zufällig auch mal kenne) behutsam erweitert und umgeschrieben. Zahlreiche Hinweistexte für beginnende Spielleiter ergänzen den Text. Das Szenario selbst ist eher kurz und auch recht eindimensional gehalten – doch insbesondere für Einsteiger mag der kurze Rechercheteil auch von Vorteil sein.

Als nächstes folgt Das knarrende und windschiefe Haus. Im Auftrag einer eher dubiosen Anwaltskanzlei sollen die Charaktere im Haus eines verschwundenen Forschers nach dem Rechten sehen. Sollten sich Beweise für den Tod des alten Herren finden, so geht das Anwesen auf die Kanzlei über. Dumm nur, dass es sich um ein altes Spukhaus handelt… Es handelt sich bei „Das knarrende und windschiefe Haus“ Gott sei Dank nicht um ein einfaches Spukhaus-Szenario. Der beginnende Spielleiter erhält zwar die Möglichkeit, schön mit allen Klischees dieses Genres zu spielen und zu kokettieren, kann aber eine wunderbar cthuloid-grausige Erklärung für all die Phänomene bieten. Aufbereitet ist das alles wirklich vorbildlich und auch die vielen Tipps zum Thema Spukhausatmosphäre lohnen sich.

Als drittes schließt sich mit Devil’s Hole ein wunderbar klassischer Plot an. Ein Freund schreibt um Hilfe, und taucht dann panisch unter. Auf seiner Suche stoßen die Charaktere auf zahlreiche Geschichte um das „Devil’s Hole“, ein Küstengraben vor der schottischen Küste. Was es damit wohl auf sich hat…? Ich verrate wohl nicht zuviel, wenn ich den Klappentext zitiere: „Eigenständig oder als Teil der Kampagne „Auf den Inseln“ spielbar“ und damit gleichzeitig einen dezenten Hinweis in Richtung Tiefer Wesen einstreue… für Einsteiger ist dieses Szenario wegen vieler NSC und einem Haufen Handouts, die verwaltet werden wollen, wohl das komplexeste. Dafür erhält man einen wunderbaren Plot, der die Mühe auch wert ist.

Der Band schließt schließlich mit Frank Hellers Kinder des Käfers ab. Auch dieses Szenario beginnt klassisch, heften sich die Charakter doch abermals an die Fersen eines verschwundenen Bekannten. Doch in den einsamen Wäldern Vermonts treffen die Charaktere auf unheimlich vergrößerte Insekten und verschrobene Hinterwäldler. Und das ist erst der Anfang… Ich möchte gar nicht zuviel zu diesem Szenario erzählen: es ist ein tolles Ding. Eine herrlich skurrile Grundidee, tolle NSC, ein spannendes Finale und das alles in den dichten Wäldern Vermonts. Großartig.

Layout und Aufbau des Bandes entsprechen dem mittlerweile von Cthulhu gewöhnten Schema – da hat sich in den letzten zehn Jahren kaum etwas getant. „Never change a winning team“, ist da wohl auch die Devise: die Aufbereitung der Szenarien und die toll gestalteten Handouts sind vorbildlich. Dazu kommt eine reichhaltige Bebilderung mit vielen, vielen, vielen zeitgerechten Photographien. Hübsch anzusehen.

Fazit: Kinder des Käfers ist ein wirklich toller Band geworden und es ist eines der wenigen Beispiele, bei denen ich die horrenden Ebay-Preise nachvollziehen kann. Mit dem Kauf macht man sicherlich nichts falsch; die Frage, was einem ein paar Stunden Lese- und Spielvergnügen wert sind, muß ein jeder für sich beantworten.

PS: Weitere Rezensionen bei…
DRoSI
Reich der Spiele
Ringbote.de

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Ein Kommentar zu “Rezension: Kinder des Käfers

  1. Das knarrende und windschiefe Haus ist klar mein Favorit in dem Band. Genau so muss ein Spukhaus bei Cthulhu sein!
    Die Kinder des Käfers sind auch toll (es lohnt sich vorher Stephen Kings „Tommyknockers“ zu lesen), aber da sehe ich das Manko, dass es im Grunde für die Spieler über weite Teile des Szenarios keine wirkliche Bedrohung gibt.
    Aber genrell ein toller Band, schade dass die reinen Abenteuerbände verschwunden sind.

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