Rezension: Die Schläfer im Meere

Lange, lange ist es her, da lag einer Ausgabe des Magazins „Nautilus“ ein cthuloides Szenario im Format einer alten Tageszeitung bei. Genauer gesagt: es war der Oktober 2000, das Szenario von Steffen Schütte hat den Titel „Die Schläfer im Meere“. Durch einen Zufall bin ich unlängst auf die Ausgabe aufmerksam geworden und habe sie mir auch prompt zugelegt; wollen wir doch mal schauen, ob sich der Kauf auch gelohnt hat!

C_Nautilus_09Ein Wort vielleicht vorab: insbesondere die Kritik an dem Inhalt des Szenarios enthält Spoiler; wer das Szenario noch als Spieler erleben wollte, sollte hier nicht weiterlesen. „Die Schläfer im Meere“ kommt als sogenanntes „Nautilus-Pocket“ daher; optisch ist es im Stile einer Tageszeitung aufgemacht und ist auch im Format A3-hoch gedruckt. Es ist in die Mitte der Nautilus-Ausgabe geheftet und muß vor dem Lesen und Leiten erst herausgetrennt werden; was bedenklich klingt, ist hier aber qualitativ gut gelöst. Zumindest bei meiner Ausgabe sind häßliche Risse ausgeblieben.

Das Szenario spielt an der Ostseeküste Deutschlands, genauer gesagt im Mündungsgebiet der Schlei, den vor der Küste gelegenen „Düwelswatern“ und dem Städtchen Maasholm. Vor Urzeiten erreichten Schrecken von jenseits der Sterne unsere Erde und schlafen seither auf dem Grund der Meere. Scheinbar stehen ausgerechnet im Jahr 1904 (dem ungewöhlichen Zeitpunkt des Szenarios) die Sterne günstig, so daß die Charaktere auf der Suche nach einem verschollenen Freund nicht nur einem geheimen Militärprojekt auf die Schliche kommen können, sondern auch gleich einen Schrecken, der die gesamte Menschheit bedroht, abwenden müssen… Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden, vielleicht war es sogar schon zuviel.

Das Szenario selbst ist ansprechend aufbereitet; es liefert alle wichtigen Informationen für den Spielleiter, um den Spielern einen vergnüglichen Abend zu bereiten. „Die Schläfer im Meere“ läßt dabei den Spielern auf der einen Seite viel Handlungsfreiheit, folgt aber auch einer festen Chronologie, die die Charaktere irgendwann unterbrechen sollten. Wirklich gut gemacht. Neben einigen netten Ideen finden sich aber auch haarsträubendere Begegnungen in dem Szenario; sicherlich ist das Aufeinandertreffen mit Kapitän Nemo und seiner Nautilus dem Magazin, in dem das Szenario erschien, geschuldet. Wer nicht gerade eine Runde „Der Hexer von Salem“ spielt, sollte diesen Teil vielleicht umschreiben. Punkten wiederum kann das Szenario vor allem mit den vielen historischen Informationen und der Verbindung des Maasholmer Sagenschatzes mit den aktuellen Ereignissen. Hier wird gekonnt mit der viel zitierten „fiktiven Authentizität“ gespielt, die viele deutsche Spieler an dem cthuloiden Rollenspiel so schätzen.

Neben der ungewöhnlichen Aufmachung als Tageszeitung besticht das Layout auch durch eine klare Gliederung, eine passende und stimmige Bebilderung und klar abgegrenzte Zusatzinformationen. Auch seitens des Layouts ist „Die Schläfer im Meere“ eine runde Sache.

Fazit: „Die Schläfer im Meere“ mag in der Grundidee nicht das innovativste Szenario sein, schickt es die Charaktere doch abermals auf eine detektivische Suche nach Schrecken aus dem Meere. Doch einige frische und unverbrauchte Szenen, der Charme Maasholms, ungewöhnliche Begegnungen am Meeresgrund und nicht zuletzt die gute Aufbereitung führen zu einer guten Note. Vier von sechs Sternen, wobei einer der eingebauten Nautilus zum Opfer fiel, ein weiterer dem ausgelutschten Abenteuereinstieg.

PS: auch wenn mir Werbung normalerweise widerstrebt: das Szenario ist hier noch günstig zu beziehen.

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