Rezension: Jenseits der Schwelle

Vor einiger Zeit besprach ich an dieser Stelle den Band „Zeitlose Ängste“. Das Konzept der „Cthuloide Welten-Bibliothek“, in der zu einem unschlagbar günstigen Preis Abenteuer im Softcover veröffentlicht wurden, hat auch den Band „Jenseits der Schwelle“ hervorgebracht. Wie gut schlagen sich die enthaltenen Abenteuer?

Jenseits-Der-SchwelleAuf knapp 160 Seiten erwarten uns vier Szenarien, die zwar allesamt in den 1920ern angesiedelt sind, aber an völlig unterschiedlichen Orten.

Flüssige Finsternis als Eröffnungswerk spielt in Deutschland. Auf den Spuren eines sehr erfolglosen Diebstahlversuchs folgen die Charaktere den Hinweisen nach Danzig. Dort treffen Sie auf Dr. Dryander, einen zwielichtigen Zeitgenossen, von dem nicht klar ist, was er in seinem Sanatorium alles zu verbergen sucht… Eine pfiffige Einführungsszene und einige groteske Einlagen machen dieses Abenteuer wirklich nett. Die mythos-behafteten Gegner der Charaktere sind zwar vielleicht etwas ausgelutscht, wer aber eine ordentliche Portion Detektivarbeit gepaart mit handfester Action nicht scheut, der findet hier ein hübsches Szenario.

In Der Herr der Winde finden die Charaktere bei einem Toten einen seltsamen Armreif. Sie kommen auf die Idee, Professor Tolkien um Rat zu fragen… diese kurze Einleitung klingt grotesk und genauso geht es weiter: Tolkien und die Charaktere erleben auf der Spur des Armreifs und auf der Flucht vor Kultisten einige Dinge, die sich später im Herrn der Ringe wiederfinden werden. Das (natürlich) in England spielende Szenario bringt eine gehörige Portion Humor mit – und eben diesen sollten auch die Spieler besitzen. Außerdem tritt das gefürchtete Railroading auf den Plan, will man denn die vielen Hinweise auf den Herrn der Ringe erleben. Eine nette Abwechslung zu laufenden Kampagnen.

Die Plantage führt die Charaktere in die USA, genauer gesagt auf eine Plantage in den Südstaaten. Hier werden in den Sümpfen noch Dinge angebetet, von denen die Menschheit nie hätte erfahren dürfen… eine bislang eher selten in Abenteuern auftretende Mythos-Gottheit, starke Nichtspielercharaktere, ein frischer, unverbrauchter und gut beschriebener Schauplatz und schließlich ein grandioser Finalkampf machen dieses Szenario zu meinem persönlichen Liebling aus dem Band.

Abgeschloßen wird der Band mit Das Schloß in den Bergen. Erschreckende Visionen bringen einen Charakter und seine Freunde zu Nachforschungen die in den USA beginnen, und sie schließlich bis nach Transylvanien führen. Es gehört zu der Sorte Szenarien, die bestimmte Anforderungen an einen bestimmten Charakter stellen; hier sogar bis hin zum Namen, was einen vorgefertigten Charakter sinnvoll macht. Damit wird es schwierig, das Szenario in eine Kampagne zu integrieren. Wer damit aber kein Problem hat, der erhält ein solides Szenario.

Die grafische Aufmachung ist wie so oft sehr gelungen. Viele Photographien und Zeichnungen, alle wichtigen Handouts in wunderschöner Verarbeitung, zahlreiche Karten, ein hübsch gestaltetes Cover… hier hat Pegasus mal wieder ganze Arbeit geleistet.

Fazit: Ich würde „Jenseits der Schwelle“ als solide Kost betrachten. Viele interessante Ansätze und Ideen werden durch den zusätzlichen Aufwand, Railroading oder die mangelnde Kompatibilität zur eigenen Spielgruppe geschmälert. Nicht schlecht – aber eben auch nicht herausragend.

PS: Weitere Rezensionen bei…
X-Zine
DRoSI
Roter Dorn

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s