Rezension: Cthulhus Ruf Ausgabe 2

Die heutige Rezension dreht sich mal wieder ausnahmsweise um brandaktuelles Spielmaterial. Die zweite Ausgabe des neuen cthuloiden Magazins „Cthulhus Ruf“ liegt auf meinem Schreibtisch und harrt nach intensivem Studium einer Besprechung. Wollen wir doch mal sehen, ob die durch die erste Ausgabe hoch gesteckten Erwartungen erfüllt werden können!

Der Ersteindruck des inoffiziellen Erbe des Magazins „Cthuloide Welten“ hat sich gegenüber der Erstausgabe leicht verbessert. Das Magazin (dessen Cover wieder im Stile einer Tageszeitung im A3-Querformat um das gesamte Heft gelegt wurde) hat ein Cover aus etwas schwererem Papier spendiert bekommen, was sich in der Haptik sowie in der Langlebigkeit des Produktes positiv niederschlägt. Auch fällt auf, dass zwei Pappseiten eingeheftet sowie ein schmales A5-Heft beigelegt wurden. Die Materialfülle ist für den niedrigen Preis von gerade einmal 6,- € also wieder erstaunlich. Layout und Bebilderung orientieren sich an der erfolgreichen Vorgängerausgabe. Wieder hat man das Gefühl, ein professionelles Produkt in Händen zu halten, wieder ist sehr vieles richtig gemacht worden.

Kommen wir also rasch zum Inhalt des Magazins. Wiederum hat sich auf 80 Seiten ein bunter Strauß Artikel in dem Magazin zusammengefunden, wobei das Augenmerk auf Spielbarkeit noch einmal erhöht wurde. So finden sich neben zwei spielbereiten Szenarien noch Hintergrundartikel mit Regelvorschlägen, Szenariovorschläge und einiges mehr. Mir sei an dieser Stelle eine kurze Einzelkritik erlaubt:

Eröffnet wird die zweite Ausgabe wieder mit der Flüstertüte und einer kontroversen Meinung über „Abziehbildcharaktere“ beim cthuloiden Rollenspiel. Wieder spiegelt die Meinung des Autors nicht unbedingt den allgemeinen Tenor wider, wieder mag er für Diskussionsstoff sorgen – oder auch nicht. Es folgt das Szenario „Eine Herzensangelegenheit“, das im Ägypten der 20er Jahre angesiedelt ist. Mumien, Ghoule und Monster harren den Charakteren in einem recht komplexen Abenteuer, das für den Spielleiter wohl nicht ganz einfach zu leiten sein wird, dafür aber den Geist lovecraftscher Geschichten schön einfängt. Dieses Szenario hat es im Abenteuerwettbewerb „Cthulhu in Ägypten“ unter die Top 3 geschafft und erhält auch von mir eine gute Zwischennote. Daran passend anschließend folgt „Das Totengericht – Jenseitserfahrungen im Land der Pharaonen“, ein Artikel in dem nicht nur der Totenglauben der alten Ägypter genauer beschrieben wird, sondern gleich auch interessante Regelvorschläge für die Verwendung im Spiel gemacht werden.

Es folgen einige schöne, kleine Artikel die viel spielbereites Material enthalten. Das Mythosbuch „La Picadura de la Serpiente Coruppta“ wird vorgestellt, im Stile der „Tales of Terror“ werden drei Abenteuerideen für Cthulhu Mittelalter rund um einen toten Kreuzritter präsentiert und der Artikel „Cthulhu im Duett“ beleuchtet das One-on-One-Spiel mit einem Spielleiter und nur einem Spieler. Dieser Artikel erhält dann mit “protect the elder sign! part No 1“ auch gleich ein praktisches Beispiel für Cthulhu Now. Wiederum finden wir hier den Auftakt einer Kampagne. Stil und Inhalt gefallen mir sehr gut, leider ist das Szenario sehr kurz ausgefallen und hat ein sehr offenes Ende. Als nächstes treffen wir auf „Die Barone – Voodoo-Schutzheilige der Piraterie“, ein Artikel, der die Charaktere einer Piratenkampagne deutlich bereichern kann. Anschließend werden im Artikel „Krieg der Welten – Alieninvasionen in Cthulhu“ Anregungen und zahlreiche Szenarienvorschläge für den Umgang mit einer außerirdischen Aggression im Cthulhu-Rollenspiel gegeben. Der Autor geht dabei nicht so weit wie „Cthulhu Tech“, dennoch gehört der Artikel zu meinen Lieblingen der Ausgabe. Abgerundet wird der bunte Reigen mit dem „Charakter der Ausgabe“, der den Forscher, Abenteurer und Entertainer Count Byron de Prorok zum Thema hat.

Auf den eingehefteten Pappseiten findet sich dann „Wanderer – Das Reisespiel“, eine Art cthuloides Quartett, das Extra-Heft beschreibt den alternativen Szenarienhintergrund „Dunwich – Vier Waisenkinder in den Hügeln“ und ist eine nette Dreingabe, mehr aber leider nicht. Die Bebilderung des Heftchens ist großartig, nimmt aber leider so viel Platz in Anspruch, das recht wenig Text übrig bleibt. Für Besitzer des Dunwichbandes (zu denen ich nicht gehöre) ist die Beilage vielleicht interessanter.

Ihr seht, es gibt wieder einiges zu Lesen und einiges zu Spielen, das ganze präsentiert in einem ansprechenden Layout und zu einem absolut fairen Preis. Einige kritische Anmerkungen seien aber an dieser Stelle erlaubt. Es ist schade, dass die Fehlerquote in den Texten im Vergleich zur ersten Ausgabe gefühlt gestiegen ist. Da stehen Absätze an der falschen Stelle, Überschriften werden plötzlich mitten im Text wiederholt und ähnliche kleine Faux-Pas. Das stört den Lesefluß und ist und schmälert leider etwas den positiven Gesamteindruck. Die zweite Kritik ist eher konzeptioneller Art: die Wiedergabe von laufenden Kampagnen ist in einem halbjährlich erscheinenden Magazin wenig zielführend. Die Kampagne aus der ersten Ausgabe wird (außer mit einem kurzen Hintergrundartikel) noch nicht weitergeführt (womit eine Spielgruppe ein geschlagenes Jahr auf eine Fortsetzung warten müsste), dafür wird gleich eine zweite Kampagne mit einem sehr kurzen Szenario eingeläutet. Diese erfordert wieder eine sehr geduldige Spielgruppe und einen Spielleiter mit ausgeprägtem Sammeltrieb. Sicher ist das Magazin auf den von der Community bereitgestellten Inhalt angewiesen, aber der Verzicht auf Kampagnen würde ihm sicher gut tun und die Spielbarkeit weiter erhöhen.

Fazit: Wieder überwiegt der positive Eindruck. Das 1920er-Szenario ist wirklich großartig, die Fülle an Artikeln mit spielbereitem Material hat weiter zugenommen, die Beilagen runden das Gesamtpaket hervorragend ab. Wieder kann ich jedem cthuloiden Spielleiter nur ans Herz legen, „Cthulhus Ruf #2“ zu kaufen – insbesondere bei dem günstigen Preis von nur 6,- €. 5 von 6 Sternen, wobei der 6. Stern dieses Mal den Fehlern und der nicht fortgeführten Kampagne zum Opfer gefallen ist.

PS: meine Rezension zu Cthulhus Ruf #1

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Ein Kommentar zu “Rezension: Cthulhus Ruf Ausgabe 2

  1. Pingback: Nach-Ruf: Good Bye, Cthulhus Ruf – Seanchui goes Rlyeh

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