Rezension: Zeitlose Ängste

Bevor ich zum eigentlichen Blogeintrag für heute komme: habt Ihr schon von meinem Cthulhu-Kurzschocker-Wettbewerb gelesen? Nicht? Hier findet Ihr alle wichtigen Infos. Haut in die Tasten, dank der Unterstützung von Pegasus gibt es auch coole Preise zu gewinnen!

Für die leider eingestellten Cthuloiden Welten wurde offenbar derart viel Material produziert, dass es zu zahlreichen Sonderbänden, der „Cthuloide Welten Bibliothek“ kommen konnte. Hier wurden abseits der „normalen“ Hardcover-Veröffentlichungen weitere Abenteuerbände publiziert, und das zu einem unschlagbar günstigen Preis. So auch „Zeitlose Ängste“, dass es mit 124 Seiten und stabiler Klebebindung für gerade einmal 16,95 € in den Laden schaffte. Heute sieht die Lage anders aus; die meisten Bibliotheksbände sind ausverkauft und nur noch überteuert auf dem Sekundärmarkt erhältlich. Doch ist gerade „Zeitlose Ängste“ das Geld auch wert?

Das Cover, souverän von Manfred Escher gestaltet, nimmt direkt Bezug auf eines der enthaltenen Abenteuer und weiß zu gefallen. Vor uns liegen – wie erwähnt – 124 Seiten mit vier Szenarien, die ich kurz anreißen möchte.

Daoloths erster Schleier von Peter Schott nimmt Bezug auf den Namensgeber, der mit seinen Schleiern die Geister der Menschen von der wahren Beschaffenheit des Universums bewahrt. Alles beginnt mit der Erbschaft einer merkwürdigen Metallscheibe, auf die sich bald versrörende Dinge zu ereignen beginnen. Automobile werden unsichtbar, feste Flächen werden durchlässig. Hast es mit der Erbschaft zu tun oder vielleicht mit dem in der Stadt tagenden Physikerkongress? Daoloths erster Schleier ist das einzige für die 1920er konzipierte Abenteuer in vorliegendem Band. Leider ist das Thema, nämlich Physik und die Auswirkungen fehlgeleiteter Physik, unglaublich komplex. Zwar gibt es einige erklärende Hinweiskästen und auch ein kleines Fachvokabular fehlt nicht; nichts desto trotz wird das Szenario unglaublich schwierig zu leiten, insofern Wert auf Realismus gelegt wird.
Last Men Standing von Ingo Ahrens stellt eine augenzwinkernde Gangsterballade dar. USA in den 1930ern. Die Charaktere sind gesuchte Gangster. Nach einem Banküberfall flüchten sie in die Wüste und verkriechen sich in einem Örtchen names Heaven’s Gate. Doch der Name trügt und nicht alles hier ist geheuer. Mit einer gehörigen Portion Humor und Horror führt der Autor die Spieler durch eine Art „From Dusk till Dawn“-Verschnitt mit viel Action und Blei. Vorgefertigte Charaktere erlauben eine angenehme Abwechslung zu laufenden Kampagnen. Mein Favorit im Band!
Auch Vom Winde verwest von Peer Kröger ist als One Shot mit vorgefertigten Charakteren angelegt. Hollywood in den 1950ern. Die Charaktere sind B-Movie Schauspieler. Als einer von ihnen nach einem Unfall geröntgt wird, stellt sich heraus, dass in alle seine Knochen okkulte Symbole eingraviert sind… Das wohl unheimlichste Szenario in diesem Band; doch durch den Hintergrund bieten sich auch hier genügend komische Momente. Handwerklich einwandfrei kann es schaurig-gruslige Stunden bescheren.
Cold War – Kalter Krieg von Scott Daniel Aniolowski ist die einzige Übersetzung in Zeitlose Ängste. Toronto, Kanada, in der Gegenwart. Die Charaktere sind Mitglieder eines Ithaqua-Kultes, dessen Oberhaupt unvermittelt ermordet aufgefunden wird. Ein rivalisierender Kult, die Polizei und noch andere Widrigkeiten machen ihnen bei der Aufklärung des Verbrechens zu schaffen. Außerdem bemerken sie schnell, dass jeder Kultist auch noch seine eigene Agenda verfolgt… Die Konstellation der (ebenfalls vorgefertigten) Charaktere verspricht ein intensives Rollenspielerlebnis; nicht nur, endlich einmal auf der anderen Seite zu stehen mag reizvoll sein, auch das gegenseitige Ausbooten steht hier im Vordergrund.

Die grafische Aufmachung ist wiederum sehr gelungen. Viele Photographien und Zeichnungen, alle wichtigen Handouts in wunderschöner Verarbeitung, zahlreiche Karten, vorgefertigte Charaktere mit Portraitfotos und, und und… hier hat Pegasus wieder ganze Arbeit geleistet.

Fazit: Ein wirklich guter Band, der viele Stunden Spielspaß verspricht. Für Kampagnenspieler eher ungeeignet; wer aber ein paar One Shots als Abwechslung zu laufenden Kampagnen sucht, kommt um diesen wirklich gut gemachten Band kaum herum. Fünf von sechs Sternen, wobei der sechste Stern der doch sehr hohen Komplexität von Daoloths erster Schleier geschuldet ist.

PS: Weitere Rezensionen bei…
DRoSi
Roter Dorn
Reich der Spiele

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2 Kommentare zu “Rezension: Zeitlose Ängste

  1. Nach Spieltests muss ich leider sagen dass Cold War sich zwar sehr schön ließt, aber dann doch vom Spielspaß eine erhebliche Fallhöhe haben kann. Meine Spieler fanden die Charaktere allesamt wenig reizvoll und konnten dem gegenseitigen Intrigieren gar nichts abgewinnen – und zwar mit der für mich durchaus nachvollziehbaren Begründung: Wenn wir schon die Outlaws sind sollten wir wenigstens zusammenhalten! Was bringt es einem nen Kult zu führen in dem alle tot sind?
    Und in der Tat fragt man sich auch als Spielleiter wie dieser Haufen Verrückte eigentlich jahrelang unerkannt leben konnte…
    Also mein Fazit: Last Men Standing ist wirklich das Highlight, Cold War überschätzt.

  2. Pingback: Rezension: Jenseits der Schwelle « Seanchui goes Rlyeh

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