Die cthuloide Weltkarte

Hallo zusammen,

wie ich in diesem Thread im Cthulhu-Forum bereits einmal angemerkt habe, arbeite ich gerade an etwas Schriftlichem für die neue cthuloide Zeitschrift, Cthulhus Ruf. Die ersten Bemühungen erhalten in diesen Tagen den letzten Feinschliff und werden schon bald den elektronisch-postalischen Weg in die Redaktion antreten. Anstatt hier aber nun die wirklich wichtigen Fragen zu diskutieren („Warum gerade er?“ – „Warum nicht jemand, der Ahnung von Cthulhu hat?“ – „Warum nicht jemand, der kreativ ist und schreiben kann?“ – undsoweiterundsofort), möchte ich heute etwas mit Euch teilen: die cthuloide Weltkarte!

Natürlich soll es nicht bei diesen ersten Gehversuchen bleiben. Sollten sich meine Texte nicht als völlig unbrauchbar erweisen (und vielleicht sogar gerade dann, dann beiße ich mich nämlich womöglich fest…), habe ich vor, weitere Traktate zu verfassen. Natürlich sollen es keine ausgelutschten Themen sein, und gerade ein neuer, interessanter Schauplatz für ein Szenario wirkt da manchmal schon Wunder. Aber: welcher Schauplatz ist neu und interessant?

Nun, Ausgangsbasis für die weiteren Überlegungen war eine schicke Liste, die auf der Arbeit des Forums basiert und (zumindest teilweise) die Länder aufzählt, in denen die bislang in Deutschland publizierten Abenteuer spielen. Und da ich ein Mensch bin, dem Visualisierung stets über Textwüste geht (weshalb ich auch ständig irgendwelche PDFs mit bunten Bildchen bastele…), habe ich diese trockenen Daten in eine anschauliche Grafik übertragen:


Einige Anmerkungen dazu:

  • dargestellt sind alle in der Liste enthaltenen Länder. Das bedeutet, rein englischsprachige Publikationen (wie zum Beispiel „Terror Australis“, „Secrets of Japan“ oder „Utati Asfet“, die ja die eine oder andere Lücke auf der Karte schließen würden) sind nicht berücksichtigt.
  • Ebenfalls unberücksichtigt sind (vielleicht logisch) extraterrestrische Standorte wie der Mond oder die ISS.
  • Szenarien, die mehrere Länder streifen (wie der „Orient Express“ oder „Das Erbe der Templer“) führen zu mehreren Kreuzen auf der Karte.
  • Auf Mehrfachmarkierungen eines Landes habe ich verzichtet (die Kreuze bei „Deutschland“ oder „Ägypten“ hätte ja ohnehin niemand mehr zählen können…)
  • Ausnahme zu dieser Regel stellen die enorm großen USA dar; die meisten Szenarien sind zwar in Neuengland angesiedelt, doch bei einigen geht es halt auch explizit um Kalifornien oder die Südstaaten, so dass ich ein paar Kreuze verteilt habe…

Welche Rückschlüsse läßt diese Visualisierung nun auf zukünftige, neue Schauplätze zu?

  • Eine offensichtliche Riesenlücke klafft im Südpazifischen Raum; Vietnam 67 und ein Abenteuer aus dem Expeditionen-Band stellen hier die einzigen Ausnahmen dar. Australien wurde nur gestreift, in Neuseeland oder Indonesien wurde bislang noch gar kein Szenario angesiedelt.
  • Ebenso ist der Großteil Rußlands noch nicht von cthuloiden Investigatoren heimgesucht. Ich erinnere mich an Hintergrundartikel zum Thema Tunguska, aber ein fertiges Szenario liegt hier wohl noch nicht vor.
  • Der afrikanische Kontinent wurde bislang auch eher an der Oberfläche angekratzt.
  • Reizvoll: auch Madagaskar (das ja schon in der „realen“ Welt ob seiner bizarren Tierwelt Rätsel aufwirft) ist bislang noch unbekreuzt.
  • Wer es lieber europäisch mag: in Spanien spielt „nur“ ein Szenario für „Cthulhu Mittelalter“, in Portugal bislang noch gar kein Szenario. Ebenso wurde der skandinavische Raum cthuolid bislang kaum erschlossen.

Genügend Platz also, auf dem sich angehende und renommierte Autoren noch tummeln können; natürlich nur, wenn die heimische Spielrunde vom vielgelobten (und auch viel Spaß machenden) Spiel „vor der Haustüre“ einmal lösen möchte. Anreiz für spannende Szenen liefern die neuen Schauplätze bestimmt allemal!

LG

Seanchui

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10 Kommentare zu “Die cthuloide Weltkarte

  1. Hm – da hast Du ja sofort meinen Widerspruchsgeist geweckt, als ich diese Karte gesehen habe! Dann habe ich die Einschränkung bezüglich nur deutscher Veröffentlichungen gelesen… na gut… aber weißt Du, da verzichtet man doch auf verammt viel gutes Zeug, und das sollte man nicht!

    Davon abgesehen, kommt mir Deine Karte aber auch so unvollständig vor – sage mal, hast Du nicht selbst GERADE EBEN IM VORIGEN BEITRAG ein Produkt rezensiert, welches in Bristish Honduras (also Belize) spielt? Wo ist denn da das Kreuz?

    Und was ist mit „In Nyarlathoteps Schatten“, der deutschen Übersetzung von „Masks of Nyarlathotep“? Ich weiß genau, dass das Original einen wesentlichen Abschnitt (in der Länge eines gut bestückten „normalen“ Abenteuers) in Australien spielen lässt, und laut einer Rezension, die ich gerade gegoogled habe, ist das in der Übersetzung ebenso. Wieso also das Lamentieren über das unbespielte Australien?

    Noch eine Frage: Hast Du die in den Cthuloiden Welten veröffentlichten Abenteuer berücksichtigt? Ich bin hier selbst kein Fachmann dafür, aber ich denke mir, dass da doch so einige exotische Schuplätze mehr enthalten sein müssten – zählt das nicht? Oder kommt da wirklich nichts mehr dazu?

    Ich traue der Vollständigkeit dieser Karte wirklich nicht… Zum Beispiel scheint der Band „Expeditionen“ berücksichtigt zu sein (Grönland, Belgisch-Kongo, Peru, Brasilien)… aber dann fehlt da Papua-Neuguinea aus dem letzten Abenteuer?

    Weißt Du, ich bin eigentlich gar kein so großer Fachmann für Cthulhu-Publikationen, aber wenn ich auf Anhieb bereits mindestens drei Fehle rfinde, dann will ich gar nicht wissen, was ein echter Experte dazu sagt…

    • Hey,
      ein Experte bin ich ja auch nicht. Auch ist meine Sammlung fernab der Vollständigkeit (auch wenn sie stetig gewachsen ist in den letzten Monaten…). Ich habe mich halt erstmal auf die Liste gestützt – und da steht leider nicht bei jedem Abenteuer das Land dabei (wie z. B. bei Nyarlathoteps Schatten, dass ja wohl auch rund um die Welt geht, soweit ich weiß).

      Die beiden übrigen Fehler gebe ich unumwunden zu. Da werde ich um eine Version 1.1 nicht herumkommen! Allerdings finde ich das nicht sonderlich dramatisch – ich glaube nämlich, dass die zugrundeliegende Liste ebenfalls nicht 100%ig vollständig ist :-).

      Gruß
      Seanchui

      PS: die amerikanischen Publikationen habe ich im übrigen bewußt aussen vor gelassen. Ich habe da einfach noch kein gutes Zeug bei gefunden; allerdings ist meine Stichprobe auch recht klein, das muß ich zugeben…
      PPS: „Lamentieren“ liegt mir im Übrigen fern (und hielt das auch ehrlich gesagt für nicht interpretierbar aus meinem Text…).

      • Die amerikanischen hast du aussen vor gelassen, weil du da keine guten Sachen gefunden hast? Dass viele der deutschen Übersetzungen sind ist dir entgangen? Gerade in den amerikanischen Abenteuer-Anthologien gibt es echte Perlen, und wenn man Drittanbieter (auch die alten: Triad etc) noch dazu nimmt auch außergewöhnlich exzellente Szenarien, u.a. auch für NOW – und viele davon (noch) nicht auf deutsch übersetzt.

  2. NS spielt, so weit ich mich erinnere, in New York, London, Gizeh, Nairobi (stimmt – in Kenia fehlt auch ein Kreuz!), Shanghai, Australien (weiß nichts Genaueres mehr, da wir diesen Teil damals gerade ausgelassen hatten, aber wohl im Outback) und auf einer vermutlich erfundenen pazifischen Insel…

  3. Schade das es sich um keine Karte aus den 20er od. 30er Jahren handelt, da ich den Eindruck habe das du vor allem die Abenteuer aus dieser Zeit einzeichnest. Schön wär auch eine Liste welche Abenteuer sozusagen verzeichnet sich, nicht unbedingt wo, aber so kann man auch gut erzgänzen.

    • Stimmt. Allerdings könnte man die Ländergrenzen auch komplett weglassen – es geht mir ja letztendlich darum deutlich zu machen, wo die „weißen Flecken“ liegen. Ich hab die Karte schon extra per Sepia-Farbton auf „alt“ getrimmt 🙂

  4. @Deepfire: Sorry, da hab ich mich wirklich blöd ausgedrückt. Klar stammen viele der hierzulande vorliegenden Szenarien aus Amerika und ich kann mir über die Produktpalette da letztendlich auch gar kein abschließendes Urteil erlauben.
    Die ausländischen Publikationen sind nicht auf der Karte, weil ich ja wissen wollte, wo im deutschsprachigen Raume (also für etwaige Cthulhus-Ruf-Artikel o. Ä.) noch Luft nach oben ist. Dabei ist mir ja klar, dass ich auch das 100ste Abenteuer in Berlin noch interessant und denkwürdig gestalten kann; aber warum nicht mal einen Ort aufsuchen, der auf Deutsch noch nicht vorliegt? Deswegen habe ich das Material ignoriert und nicht wegen meiner Qualitätseinschätzung desselbigen.

    • Nun ja, in der überarbeiteten Version ist der einzige „weiße Fleck“ von größerer Bedeutung, der noch übrig geblieben ist, wohl Japan – und da liegt mit „Secrets of Japan“ ein wirklich exzellentes, massives Werk vor, welches halt übersetzt werden müsste… nicht wirklich Gegenstand eines Aufrufs an die deutsche Community zur Eigenpublikation.

      Ansonsten identifiziere ich als die aus europäischer Sicht relevantesten Lücken Skandinavien (Wikinger), Alaska (Goldsucher), die Karibik (am besten Kuba), Westafrike (irgendetwas mit originalem Voodoo), Palästina (biblisches Zeugs), die arabische Halbinsel (Mekka!), Persien (1001 Nacht), Sibirien/Mongolei (Dschinghis Khan), und vielleicht noch Siam (jaja) und die Gegend um Sumatra/Java/Borneo (Krakatau) – da eixstieren schöne klischeehafte Hintergründe, die man mit Beigaben des Cthulhu-Mythos interessant verwursten kann! Denn machen wir uns nichts vor: Ob ein Abenteuer in Kamerun, Togo oder Senegal spielt, ist aus unserer eurozentrischen lulturellen Perspektive doch eher schnurz! Üblicherweise ist der Sinn eines fernen Ortes in einem Szenario doch zum größten Teil, dass er FERN ist, mit rückständiger Zivilisation und kulturell unterentwickelten Ureinwohnern, egal, ob das jetzt Polynesier, Indonesier, Afrikaner oder Amazonier sind – Cthulhu in den 20ern zeigt uns die Welt aus typisch imperialistisch-kolonialistischer Sicht. Für ernsthafte Ethnologen oder Zoologen mögen Madagaskar oder Neuseeland ja von besonderen Interesse sein, aber einen besonderen Zweck erfüllen sie in einem Mythos-Szenario doch eher nicht, da wir keine unmittelbaren Konnotationen zu ausgeprägten kulturellen Eigenheiten haben, deren „wahren“ Hintergund es zu erforschen gilt…

      Was mir übrigens imponieren würde, wäre ein wirklich geistreicher Hintergrund zu Sankt Helena („Napoleon’s Fluch“) – außerdem ein wundervolles Beispiel für einen WIRKLICH isolierten Ort…

  5. Pingback: Rezension: Gail 2 « Seanchui goes Rlyeh

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