Rezension: Terror Britannicus

Heute drehen wir die Zeit mal wieder ein wenig zurück und beschäftigen uns mit älterem Material. Gerade die Pegasus-Publikationen, die nicht mehr aufgelegt werden, erzielen ja auf dem freien Markt gerne Fantasiepreise. Im Falle von Terror Britannicus, einem Sonderband der mittlerweile eingestellten „Cthuloide Welten Bibliothek“, prüfen wir mal, ob sich die Investition lohnt:

Kommen wir als erstes zu den harten Fakten. Auf insgesamt 96 Seiten werden uns zwei ausführlich ausgearbeitete Abenteuer präsentiert; ein bisher nicht erschienenes Szenario mit dem Titel „Häupter des Schreckens“ aus der Feder des deutschen Autoren Gerd Hupperich (bis zu diesem Zeitpunkt eher den Midgard-Spielern ein Begriff) sowie das übersetzte (und von Wolfgang Schiemichen deutlich überarbeitete) „Geister in Loch Feinn“ von Glenn Rahman. Die Aufbereitung des Materials weiß dabei durchaus zu gefallen. Da dies meine erste Rezension einer Pegasus-Publikation ist, werde ich zunächst ein wenig auf das Layout eingehen; da sich das Layout sehr stringent durch die gesamte Produktreihe zieht, werde ich in Zukunft dann wohl öfters hierher verweisen.

Das Layout des Bandes ist in einem Stil angelegt, den ich gerne „schlichte Eleganz“ nenne. Die Seiten sind wie die eines alten Folianten aufgemacht, die für Überschriften gewählte „Leonardo“-Schriftart wirkt sehr elegant und stilvoll. Außerdem ist das Buch reichhaltig aber nicht überladen bebildert, wobei stets auf alte Photographien zur Bebilderung der Szenen zurückgegriffen wird. Die wenigen Zeichnungen, wie zum Beispiel Bodenpläne, sind handwerklich gut gemacht und fügen sich sehr gut in das Gesamtbild ein. Ein besonderes Lob verdienen die Handouts. Sei es der Tagebucheintrag, der zerknüllte Zettel oder der Auszug aus einem alten Folianten: jedes Handout ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet und sieht einfach großartig aus. Damit ist der direkte Einsatz im Spiel – und damit eine Erleichterung des Spielleiters – ohne weiteres möglich. Abgerundet wird der gute Eindruck durch eine Covercollage von Manfred Escher, die cthuloiden Schrecken (in Form von Schädeln und Symbolen) mit Londoner Wahrzeichen zu verbinden weiß. Für die grafische Gestaltung dieser (und vieler weiterer) Publikation gibt es von mir 6 Punkte!

Doch kommen wir zum Inhalt: „Häupter des Schreckens“, präsentiert eine Mischung aus cthuloidem Horror und spätviktorianischem Detektivabenteuer. So ist von den Charakteren sowohl Köpfchen beim Klären zahlreicher Rätsel und Mordfälle gefragt („Was hat es mit der Treppe des Zauberers auf sich? Welches Geheimnis umgibt das alte Noonnenkloster? Und welche Antworten warten in Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett?“) aber auch beherztes Eingreifen, wenn es darum geht, weitere Morde zu verhindern. Im zweiten Abenteuer wagen sich die Charaktere ins schottische Hochland, wo sie auf den Spuren eines ermorderten Wissenschaftlers dem Ursprung der schottischen Wasserdrachen auf die Schliche kommen können.

Beide Abenteuer sind gut strukturiert (mit einem umfangreichen Anhang, der übersichtlich alle spielrelevanten Werte enthält, sowie daran anschließend die Handouts) und sollten sich mit wenig Vorbereitungszeit leiten lassen. Beide haben jedoch – in meinen Augen – ihre Schwächen: „Häupter des Schreckens“ ist mit Nebensträngen und zusätzlichen Geheimnissen neben dem eigentlichen Plot derart überladen, dass es für manche Gruppen wohl schwer wird, in dieser Form dem eigentlichen Treiben auf die Schliche zu kommen. Darüber hinaus wirkt der cthuloide Hintergrund ein wenig gekünstelt und in die Handlung hinein konstruiert: letztendlich käme das Abenteuer auch prima OHNE den Mythos aus. Hier wäre weniger vielleicht sogar mehr gewesen; allerdings steht es ja jedem Spielleiter frei, Nebenstränge zu streichen.
„Geister in Loch Feinn“ hingegen lebt von der Begegnung mit Mythoskreaturen und ist wesentlich stimmungsvoller gehalten. Es gehört wohl den den atmosphärischeren Abenteuern, die ich bislang vorliegen habe – dafür ist allerdings der Einstieg der Charaktere derart bemüht und gekünstelt gewählt (es soll nämlich UNBEDINGT eine Eigenmotivation aufgebaut werden, um den obligatorischen Auftraggeber zu vermeiden), dass es wohl schwer wird, die Charaktere SO in das Szenario zu bugsieren.

Fazit: Layout und Design des Bandes sind hervorragend. Beide Abenteuer sind als Abwechslung zu einer laufenden Kampagne durchaus zu empfehlen, sei es das Detektiv-Spiel bei den Häuptern oder die ungewöhnlichen Begegnungen am Loch Feinn. Allerdings werden wohl beide Abenteuer noch die ein oder andere Anpassung benötigen, bis sie zu jeder Spielrunde passen. Fünf Sterne, wobei ich 4,5 Sterne großzügig gerundet habe.

PS: Weitere Rezensionen bei…
DRoSI
X-Zine
Fantasy-Eck
Fantasyguide
Aktion-Abenteuer

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