Rezension: Gail 1

In der heutigen Rezension geht es mal wieder um einen Band der Fantastische Spiele GbR, nachdem ich in den letzten beiden Einträgen Module andere Verlage betrachtet hatte. Immer hin hat die FS GbR auch die meisten Bände in der (nahezu) verlagslosen Zeit veröffentlicht, so dass sich die nächsten Rezensionen auch auf diese Bände konzentrieren werden.

Eine kleine Neuerung gibt es in meinem Rezensionsprozedere: ab sofort (und auch rückwirkend) werden Punkte für die rezensierten Module vergeben. Ich habe mich für eine Skala von 1 (mies) bis 6 (herausragend gut) Sternen entschieden, die ich jedem Modul verleihe. So ist rasch auf einen Blick erkenntlich, was ich von dem jeweiligen Band halte, wobei „3“ den absoluten Durchschnitt darstellt.

Kommen wir also nun zum heute zu rezensierenden Band. Gail 1 bietet auf insgesamt 48 Seiten nicht nur ein einzelnes Abenteuer, sondern gleich den Auftakt zu einer ganzen Kampagne. Die Charaktere werden von einem rennomierten Anwalt angeheuert, um das Verschwinden seines ihm anvertrauten Mündels aufzuklären. Über eine morbide Schnitzeljagd kommen die Charaktere einem blutigen Verbrechen auf die Spur, das sich im Vergleich zu den im Hintergrund gesponnenen Intrigen aber eher harmlos ausnimmt. Und dann kommt es auch noch zu überraschenden Wendungen…

Das Layout des Bandes möchte ich als durchaus ordentlich bezeichnen. Es sind wieder viele alte Photographien verwendet worden, was dem Band sichtlich nicht geschadet hat. Die verwendeten Zeichnungen sind in diesem Fall aber eher unterdurchschnittlich ausgefallen. Die Handouts sind nicht gerade schön, aber zweckmäßig designt – und es gibt deren wieder reichlich.

Auch der Aufbau des Bandes weiß mir zu gefallen: es gibt einen Anhang mit NSC-Beschreibungen und Werten (was das rasche Nachschlagen während des Abenteuers durchaus erleichtert) , die einzelnen Abschnitte sind sauber voneinander getrennt, es gibt einen Haufen Handouts… Auch hierfür kann Gail eine gute Note einfahren.

Kommen wir zum Abenteuer selbst: dieses ist in sich stimmig, bietet Tragik, Dramatik und auch genügend Horror-Elemente. Die Schnitzeljagd mit zahlreichen versteckten Hinweisen erscheint nicht zu leicht und nicht zu schwer für eine detektivisch veranlagte Gruppe. Für handfeste Action wird dann spätestens wieder im Finale gesorgt, um auch andere Gemüter zu bedienen. Der Spielleiter wird mit genügend Tipps versorgt, um seine Gruppe sicher durch das Abenteuer zu führen. Die Optionalität verschiedener Handlungsorte – und vor allem deren Besuchsreihenfolge – verhindert auf angenehme Art und Weise offensichtliches Railroading.

Der einzige Wermutstropfen: das Abenteuer ist wenig innovativ. Es geht wieder einmal um einen verdrehten Kult; es gilt wieder einmal eine verschwundene Person aufzuspüren; es sind wieder einmal dunkle Junge um einen nebelverhangenen See platziert; es gibt wieder einmal einen Schlägertrupp, der den Charakteren auflauert… dieser Band bedient sehr viele der Muster, die später zum schriftlichen Niederlegen der Cthulhu-Matrix geführt haben. Vielleicht ist es etwas unfair, das einem Band vorzuwerfen, der bereits 15 Jahre alt ist – aber auch zur damaligen Zeit gab es bereits deutlich innovativere Module!

Für Einsteiger oder auch als Einstieg in eine neue Kampagne halte ich das Abenteuer durchaus für brauchbar. Wer auf der Suche nach einer frischen Idee ist, wird hier wohl leider nicht fündig!

 

 

PS: weitere Renzensionen zu Gail 1:

Drosi

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Ein Kommentar zu “Rezension: Gail 1

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