Rezension: Reditus

Wie ich vor recht kurzer Zeit beschrieb, erstehe ich zur Zeit älteres, cthuloides Rollenspielmaterial. Das nächste Büchlein, das den Weg auf seinen Tisch fand, war der Band „Reditus“ von Feder und Schwert; eigentlich für das Rollenspiel „Nephilim“ verfasst (und damit eine von insgesamt nur drei deutschen Publikationen, soweit ich weiß), soll es doch leicht auf das Cthulhu-Rollenspiel zu konvertieren sein, so dass Reditus also einen Platz hier auf diesen Blogseiten verdient hat.

 In Reditus geht es um die Wiederauferstehung einer uralten Hexe aus dem 9. Jahrhundert (Im Kontext des Rollenspiels Nephilim als Selenim bezeichnet). Bei Ausgrabungsarbeiten nahe Frankfurt wird eine alte Statue entdeckt, die eine Frau mit Fledermausflügeln darstellt. Während sie im Museum steht, wird die Statue von einem Bombenanschlag zerstört; das verhindert aber nicht, dass die Seele der Selenim wieder einen Körper findet… in der Folge findet eine komplizierte Schnitzeljagd durch Frankfurt statt, während der die Charaktere abwechselnd Jäger und Gejagte darstellen, während der düstere Einfluß der Hexe ein Szenario des Schreckens über den Frankfurter Himmel malt…

Der recht dünne Band (insgesamt 48 Seiten zählend) verspricht auf seiner Rückseite:

  • Ein spielbereites Abenteuer
  • neue Regeln zur Erschaffung von Zombies und Selenim
  • eine Stadtübersicht der Finanzmetropole Frankfurt

Also, gleich frisch auf ans Werk. Beim ersten Durchblättern fällt direkt das saubere Layout ins Auge; ein schön okkult angehauchter Zierrahmen am Rand sowie ordentliche Zeichnungen beherrschen das Bild. Einzig einige der Portraits der NSC sind zum davonlaufen. Ansonsten ein wirklich hübsch gemachter Band!

Der Aufbau von „Reditus“ auf der anderen Seite ist äußerst komplex: so werden erst alle NSC beschrieben, dann die wichtigen Orte, dann erst die (geplante) Handlung des Abenteuers. Ich persönlich empfinde diesen Aufbau sowohl für die Lektüre als auch für das spätere Leiten des Abenteuers als unnötig kompliziert. Ein Anhang mit den Spieldaten der Charaktere ist zwar durchaus geläufig und nett (und insofern ist es dann ja auch egal, ob er am Anfang oder Ende des Bandes angebracht ist) – wenn aber alle Zusammenhänge bei den NSC erklärt werden, im Verlauf des Abenteuers aber nicht mehr… die Adressen zu den Orten bei der Ortsbeschreibung, aber nicht mehr im Abenteuer erwähnt werden… dann ist die ständige Blätterei und Sucherei wohl vorprogrammiert!

Das eigentliche Abenteuer selbst weiß mir aber zu gefallen. Die Handlung ist nicht so komplex, dass man ständig Sorgen haben müsste, die Spieler würden nicht mehr mitkommen; auf der anderen Seite bietet sie genug Wendungen und Wirrungen, um auch detektivisch veranlangte Gruppen bei Laune zu halten. Die Ausarbeitung ist allerdings etwas dünn, und das ein oder andere „Troubleshooting“ seitens des Autors hätte ich mir schon gewünscht.

Enttäuschend auf der anderen Seite ist die „Stadtübersicht der Finanzmetropole Frankfurt“: ein A4-großer, einkopierter Stadtplan und zwei, drei Sätze zu den wichtigsten Vierteln (die nicht mal auf dem Stadtplan markiert sind…) – das war’s. Die angekündigten „neuen Regeln zur Erschaffung von Zombies und Selenim“ fehlen (zumindest in der mir vorliegenden Ausgabe) sogar ganz!

Kommen wir zum Fazit: Stadtbeschreibung und neue Regeln legen wir schnell ad acta. Was bleibt ist ein sauber layouteter Band mit einem schönen, stimmungsvollen Szenario, welches aber noch sehr hohe Ansprüche an die eigenen Ausarbeitungsfertigkeiten des Spielleiters stellt. Wer eine dichte Geschichte und (teilweise) nett ausgearbeitete Charaktere sucht, sollte mal einen Blick riskieren.

 

 

Seanchui

PS: weitere Renzensionen zu Reditus:
Drosi die Erste
Drosi die Zweite

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Ein Kommentar zu “Rezension: Reditus

  1. Ich hatte das Abenteuer auf einer Sammlungsauflösungen billig erstanden, weil mich schlichtweg interessierte, wie zum Geier eigentlich ein Abenteuer für Nephilim aussehen soll. Nachdem ich es nun endlich gelesen habe, bin ich keinen Deut schlauer, denn es ist nicht nur leicht für Ctuhlhu zu konvertieren, sondern scheint mir sogar ursprünglich für dieses geschrieben und dann (dürftig) auf Nephilim konvertiert worden zu sein.
    Im Gegensatz zu Dir fand ich nicht nur die Struktur und Beschreibung (die neuen Regeln konnte ich übrigens auch nicht finden – nicht, dass ich sie vermisst hätte), sondern auch das Abenteuer furchtbar. Es gibt massig absurde Zufälle und Ereignisse, die die Charaktere niemals nachvollziehen können. Außerdem wird andauernd etwas zur Welt von Nephilim hinzugedichtet – was in einem Rollenspiel, bei der die Erforschung der Spielwelt einen gewissen Reiz ausmacht, ziemlich ungünstig ist.
    All dies vereinigt der Klischee-Satanist in sich: Erstmal stellt ausgerechnet er gerade in der Galerie der Freundin des Photographen aus und dann wird er auch noch von einem Dämon (was auch immer der im Sinne der Nephilim-Welt sein soll) verarscht, dessen sehr konstruiert wirkenden Zusammenhang zum Rest des Abenteuers die Charaktere niemals erfahren werden.

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