Der Fischer von Draußen

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Der Karneval der Rollenspielblogs beschäftigt sich in diesem Monat mit dem Thema “Tiere im Rollensiel“. Danke an den Tenebrus für die Organisation.

“Tiere im Rollenspiel” ist ein für einen Cthulhu-Blog eigentlich recht undankbares Thema. Tierische Begleiter sind beim Cthulhu-Rollenspiel durchaus denkbar, aber dann doch eher selten. Und tierische Gegner sind bei der unglaublich umfangreichen Menagerie, die der Malleus Monstrorum liefert, auch eher schmückendes Beiwerk.

Doch da gibt es ja noch Katzulhu, den Cthulhu-Ableger, in dem die Spieler in die Rolle von Katzen schlüpfen. Das diesmonatige Karnevalsthema hat mich dazu motiviert, meine ersten eigenen Gehversuche mit dem Setting zu unternehmen. Also habe ich einen katzulhoiden Kurzschocker verfasst, den ich Euch nun – natürlich auch pünktlich vor Weihnachten :-) – nicht vorenthalten möchte:

In diesem kurzen Szenario übernehmen die Spieler die Rollen von Katzen, die eine Hafengegend unsicher machen. Neben einem lästigen Schwarm Möwen machen den Katzen auch die mythosschwangeren Alpträume eines alten Seebären zu schaffen – nicht zuletzt wegen der sehr physischen Bedrohung, die diese heraufbeschwören…

Ich hoffe, der Eine oder Andere kan es gebrauchen und es gefällt. Für Feedback jedweder Art bin ich wie immer dankbar.

Seanchui

Rezension: Wuchernder Wahn und andere Abenteuer

Wiederum veröffentlicht Pegasus im Rahmen des „Cthuloide Welten Archiv“ ausgewählte Artikel aus dem – leider eingestellten – „Cthulhu“-Hausmagazin „Cthuloide Welten“ als PDF. Wie auch in den vorhergehenden Sammlungen „MorgenGrauen“, „Die goldenen Hände Suc’Naaths“ und „Der Sänger von Dhol“ sind einige Artikel hier versammelt. Es ist löblich, das längst vergriffene Material auf diese Art wieder verfügbar zu machen – doch wurde auch die beste Auswahl getroffen?

139139Zunächst möchte ich wieder darauf hinweisen, dass eine Rezension der in „Wuchernder Wahn und andere Abenteuer“ enthaltenen Szenarien kaum komplett ohne Spoiler auskommen kann, sodass Lesern, die die Abenteuer noch als Spieler erleben möchten, angeraten sei, bis zum Fazit vorzuspringen.

Das titelgebende „Wuchernder Wahn“ von Mirko Bader eröffnet denn auch gleich die neueste Ausgabe des „Cthuloide Welten Archiv“. Auf knapp 45 Seiten wird ein interessantes Szenario umfangreich dargelegt. Im Gegensatz zu vielen anderen „Cthulhu“-Abenteuer tritt der mythosschwangere Antagonist hier nicht in Form typischer Kultisten oder geistzerfetzender Monstren auf. Nein, „Wuchernder Wahn“ rückt ein selten beachtendes Mythoswerk in den Mittelpunkt der Handlung. Dabei kommen die Charaktere nicht nur dem todbringenden Wirken des Buches auf die Spur, sondern werden von seinem letzten lebenden Besitzer auch aktiv bekämpft. Es sind viele interessante, unverbrauchte Ideen, ungewöhnliche Gegner und eine ausgeklügelte Schnitzeljagd quer durch das Berlin der 1920er (das darüber hinaus mit liebevollen Details garniert wird), die dieses Szenario außergewöhnlich und absolut empfehlenswert machen.

Deutlich kürzer wird das anschließende Szenario „Ein Fund vom Meer“ von Michel Bernhardt auf den folgenden 23 Seiten dargestellt. „Ein Fund vom Meer“ ist explizit als Prequel für die längst vergriffene Kampagne „Auf den Inseln“ ausgelegt und lotst die Charaktere auf die Insel Borkum. Just von dort wurde vor wenigen Wochen eine goldene Statuette gestohlen, die nun in den Händen eines jungen Mannes ist. Dieser wähnt sich von finsteren Mächten verfolgt und wendet sich hilfesuchend an die Charaktere. Bevor diese jedoch einschreiten können, wird der junge Mann unfreiwillig Teil eines finsteren Rituals, woraufhin die Statuette den Charakteren in die Hände fällt. Nun führt sie ihr Weg nach Borkum, wo sogleich die Kampagne beginnen kann. Ebenso kurz wie die Zusammenfassung der Handlung ist auch das Szenario, setzt es sich doch im wesentlichen aus zwei Szenen zusammen. Und auch wenn es einige anschließende Recherchemöglichkeiten für die Charaktere gibt, um die Hintergründe um den Diebstahl der Statuette aufzuklären, so kann das doch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei „Ein Fund vom Meer“ eher um ein Kurzabenteuer als um ein komplettes Szenario handelt. Darüber hinaus bleibt fraglich, wer sich – womöglich sogar auf „Ein Fund vom Meer“ hin – die Kampagne „Auf den Inseln“ noch besorgen kann.

Auch der dritte Artikel, „Das Blutbad von Hinterkaifeck“ ist als Szenario angekündigt. Tatsächlich aber handelt es sich um einen Hintergrundartikel, der verschiedene Szenarienaufhänger gleich mitliefert. Das namensgebende Blutbad, einer der bekanntesten und zugleich mysteriösesten Kriminalfälle der deutschen Geschichte, wird auch sehr umfassend beleuchtet. Sogar an eine Zeitlinie aller bekannten Beobachtungen rund um Hinterkaifeck wurde gedacht. Insofern ist es ein spannender und ausführlicher Artikel, gut geschrieben und mit interessanten Ideen garniert – nur eben kein ausgearbeitetes Szenario.

Wie auch bei den vorhergegangenen „Cthuloide Welten Archiv“-PDFs wurde für die Wiederveröffentlichung das gesamte Layout wurde an das bekannte Layout der 3. Edition angepasst Teilweise wurde auch eine neue Bebilderung vorgenommen, was sich glücklicherweise nicht auf die hervorragenden, verstörenden Bilder der Künstlerin Melanie Hamann ausgewirkt hat, mit denen „Wuchernder Wahn“ geschmückt ist. Einige Handouts und auch Karten wurden neu aufgesetzt, manche sogar dank dem neuen Medium PDF auch in Farbe. Die reiche Bebilderung in guter Qualität und die – wie üblich – optisch hervorragenden Handouts führen damit – wie eigentlich üblich – Layout zu einer guten Note.

Fazit: Erstmals fällt mir eine Empfehlung des „Cthuloide Welten Archiv“ schwer. „Wuchernder Wahn und andere Abenteuer“ ist eine qualitativ hochwertige Mogelpackung. Neben dem wirklich hervorragenden Titelszenario findet sich nämlich leider nur ein – wenn auch sehr stimmungsvolles – Kurzabenteuer, dessen universelle Verwendung deutliche Mehrarbeit erfordert und ein sehr guter Hintergrundartikel, der als Abenteuer angekündigt wird. Wer weiß, worauf er sich einlässt, kann natürlich zugreifen. Wer aber auf der Suche nach einer Abenteuersammlung ist, dem seien die übrigen Ausgaben des „Cthuloide Welten Archiv“ mehr ans Herz gelegt.

Diese Rezension erschien ursprünglich bei Ringbote.de

Vorweihnachtliche Langeweile?

Hallo zusammen,

es soll ja Leute geben, die in der Weihnachtszeit über zuviel Zeit und zu wenig Beschäftigung klagen. Nun, ich selbst zähle mich nicht unbedingt dazu, allerdings gibt es auch einige kleine Wettbewerbe, die mir die Vorweihnachtszeit sehr versüßen.

OPC 2014

facebook_logo_2014Da wäre auf der einen Seite natürlich der wunderbare OnePageContest, den die Blogs Würfelheld und Greifenklaue bereits seit einigen Jahren durchführen. Die Teilnahme ist eigentlich denkbar einfach – schreibt spannendes, interessantes, innovatives und im Idealfall hübsch aufgemachtes Rollenspielmaterial. Aber bleibt auf einer Seite! Im letzten Zwischenstand haben die Organisatoren bereits 40 eingereichte Beiträge verkündet. Doch zählt einmal die Preise nach – da sind noch eine Menge Preise nur für’s Teilnehmen mit dabei, die Ihr absahnen könnt! Nicht zu vergessen, dass der Material-Stapel für die Community mit jeder Teilnahme wächst. Also, haut in die Tasten, die wichtigsten Infos im Überblick findet Ihr hier.

NIP’AJIN SHOTS

shots-logoDoch auch an anderer Stelle findet ein interessanter Wettbewerb statt – NIP’AJIN SHOTS. Ziel des SHOTS-Wettbewerbes ist es, eine Abenteuersammlung für das enorm schlanke NIP’AJIN-Regelwerk zusammenzustellen, die dann für den GRT 2015 gedruckt werden soll. Anstelle von Sachpreisen winken Euch hier also Ruhm, Ehre und Veröffentlichung als Printmedium. Darüber hinaus ist NIP’AJIN einfach ein recht interessantes und unkompliziertes Regelsystem, dass alle möglichen Settings und Genres bedienen kann. Kreative Köpfe sollten sich hier also richtig austoben können.

Übrigens – es gibt einen schmalen Crowdfunder auf StartNext.de für das Projekt, so dass Ihr auch gleich selbst Eure Chancen auf Veröffentlichung erhöht, indem Ihr Geld investiert um das gedruckte Heft fetter zu machen. Oder Ihr greift einfach das komplette Material ab und unterstützt den GratisRollenspielTag auf diese Art. Lest es Euch einfach mal durch.

Weihnachtswunden

So, und wer über der ganzen Schreiberei einfach mal wieder ein wenig Rollenspielen möchte, dem haben die Jungs von Cthulhus-Ruf.de ein kleines Adventsgeschenk gemacht, denn mit “Weihnachtswunden” findet sich ein interessanter Kurzschocker für das Niemandsland-Setting auf Ihrer Seite wieder. Stefan Droste hat sich den Weihnachtsfrieden an der Westfront zur Brust genommen und ihn auf seine cthuloiden Zusammenhänge hin überprüft. Also, runterladen, durchlesen, losspielen.

Rezension: Schnellschüsse

Von Zeit zu Zeit komme ich zwischen dem Stöbern in cthuloiden Folianten auch dazu, mir Bücher abseits des Cthulhu-Rollenspieles durchzulesen. Neben einigen Rezensionen auf dem Ringboten hat es mir bei diesen “Ausflügen” nicht nur die klassische Fantasy angetan, sondern auch ein erwachsenes, horrorartiges Rollenspiel mit dem schönen Titel “Unknown Armies”. Die deutschsprachige Produktpalette ist leider sehr überschaubar geblieben, doch gibt es mit unknown-armies.de einen aktiven Blog, der – nicht zuletzt mit dem Online-Magazin Kassiber – stets für interessanten Materialnachschub sorgt.

schnellschüsseDoch genug der Vorrede – das soll ja hier keine Systemvorstellung werden, sondern die Rezension des Abenteuerbandes “Schnellschüsse”. Insgesamt fünf Szenarien sind zwischen den Buchdeckeln versammelt, denen allesamt eines gemein ist: es handelt sich um OneShots mit vorgefertigten Charakteren. Gedacht sind diese “Schnellschüsse” zum sofortigen Losspielen – die eigentliche Szenarienhandlung ist meist recht kurz und geradlinig; Explosionspotential bieten zumeist eher die vorgefertigten Spielercharaktere. Aber wenden wir uns erst einmal den einzelnen Szenarien zu – und Achtung! liebe Spieler, es mögen sich Spoiler einschleichten.

Eröffnet wird der Band mit dem Szenario Der Ausbruch. Die Spieler schlüpfen in die Rolle von flüchtigen Gefängnisinsassen sowie deren Geiseln. Inmitten eines tobenden Sturms erreichen diese eine abgelegene Farm, auf der zwei weitere potentielle Geiseln auf die Kidnapper warten. Doch während die Gruppe schon rasch beginnen wird, gegeneinander zu intigrieren, sind einige der SC noch darüber hinaus mit magischen Fertigkeiten gesegnet – wer ist hier die wirkliche Zeitbombe? Ein wirklich innovatives und interessantes Setting, darüber hinaus werden viele Vorschläge für ein Abdriften ins Live-Rollenspiel gegeben. Eine wirklich starke Eröffnung.

Weiter geht es mit dem Abenteuer Interessante Zeiten. Eine Reihe paranormaler Ereignisse in einem verschlafenen Indianerdorf ruft die Charaktere auf den Plan, die im Auftrag der neuen Inquisition einige Nachforschungen anstellen sollen. Doch sind sie nicht die einzigen Zugereisten mit einem erhöhten Interesse an der Ursache der Phänomene… Dieses Abenteuer ist tatsächlich relativ klassisch, bietet es doch einen gediegenen, geradlinigen Detektivplot. Doch die Würze entsteht durch die vielen unterschiedlichen Parteien und unglaublichen NSC, die sich hier tummeln werden. Das zeitaufwändigste Abenteuer, insbesondere in der Vorbereitung, in diesem Band, aber durchaus lohnenswert.

Als nächstes wird mit Freud und Leid ein interessanter Aspekt in das Rollenspiel übertragen: schreiben. Eine junge Göttin klopft an die Tür der Charaktere und bittet um Hilfe, sollen sie ihr doch ihren schönsten Moment in einem Buch niederschreiben. Während die SC beginnen zu schreiben, kommt ihnen eine andere Göttin mit einem einmaligen Angebot. Für wen werden sich die SC entscheiden? Die Grundidee und die beiden Göttinnen sind schlicht genial. Allerdings erfordert es echtes Einlassen der Spieler auf die vorgefertigten SC, um auch ein echtes Rollenspielerlebnis zu garantieren. Aufwändig für alle Beteiligten, wer davor aber nicht zurückschreckt erhält großartiges Material.

Das vierte Abenteur, Gen Himmel, entstand vor dem 11.9.01 und hat heute einen faden Beigeschmack, handelt es doch von einer Flugzeugentführung durch Terroristen. Natürlich läuft hier alles ein wenig anders als bei den mittlerweile historischen Anschlägen, dennoch sind gewisse Parallelen unvermeidlich, so dass das Szenario sicher nichts für jede Spielrunde sein wird. Wer jedoch zu Trennen vermag, der erhält eine umfangreiche Settingbeschreibung, völlig abgedrehte NSC und eine aufregende Mischung Spielercharaktere.

Abgeschlossen wird der Band mit dem Abenteuer Und leise wächst das Gras, und ich kann gleich vorwegnehmen, dass es mein persönlicher Favorit aus dem Band ist. Und leise wächst das Gras ist ein waschechter Horror-Trip. Die Charaktere, allesamt Bewohner einer verschlafenen Wohnwagensiedlung irgendwo in der Wüste, erwachen eines Morgens als letzte Menschen auf dem Planeten. Die Apokalypse kam in aller Stille. Nun gilt es herauszufinden, was passiert ist… Das Setting ist wirklich genial gewählt, die vorgefertigten SC ergeben eine klassische Spielfilm-Mischung und der Baukasten, den das Abenteuer rund um die Apokalypse und ihre Auswirkungen auf die SC mitliefert absolut vorbildlich. Ich bin sehr angetan von diesem Abenteuer.

Optisch ist der Band ansprechend aufbereitet, auch, wenn die Illustrationen im Inneren in ihrer Qualität nicht mit dem Einband mithalten können. Doch die schwarzen Zierbalken und Extrakästen und nicht zuletzt die grandios aufbereiteten Spieler-Charakterbögen im Anhang jedes Szenarios gleichen das wieder aus. Auch handwerklich hinterläßt “Schnellschüsse” mit seiner soliden Klebebindung einen guten Eindruck.

Fazit: Ich bin absolut begeistert. Sicher, die Szenarien sind allesamt nichts für jede Spielgruppe. Doch das ist Unknown Armies wahrscheinlich ohnehin nicht. Alle Abenteuer sprudeln nur so über vor Ideen und abgedrehten Einfällen, sind abwechslungsreich und doch alle ähnlich verrückt. Damit sind sie auch für Spielleiter anderer Systeme – mindestens von Horror-Systemen – durchaus zu empfehlen. Das ganze in optisch ansprechender Verpackung – Höchstnote.

Eilmeldung: Winter-OPC geht in die vierte Runde!

Der Einfachheit halber kopiere ich mal meinen Text aus dem vergangenen Jahr – gutes soll man ja nicht ändern und die Nachrichten sind ja genauso toll wie im vergangenen Jahr:

Die Blogs Würfelheld und Greifenklaue haben den vierten Winter-OPC gestartet! Was ist ein OPC? Nun – ein OnePageContest. Bringt interessantes Spielmaterial auf einer einzelnen A4-Seite unter! Nach den Mottos der letzten Jahre “Winter”, “Frühling” und “Silvester/Jahreswechsel” sind nun verschiedene Stichworte vorgegeben..

Es gibt wie immer einen Haufen Preise zu gewinnen – und da haben sich die beiden wirklich mächtig ins Zeug gelegt! Alles interessante (wie den Blitzpreis für Eiligschreiber) rund um die Teilnahmebedingungen gibt’s hier, eine Preisübersicht hier.

Mitmachen lohnt sich!

Vorstellung: Cthulhus Ruf Ausgabe 6

Fast pünktlich nur wenige Wochen nach der Spielemesser erschien mit der sechsten Ausgabe des cthuloiden Fanmagazins “Cthulhus Ruf” die Ausgabe nach dem selbst angekündigten “Bergfest”. Jeder Kultist hofft natürlich, dass der zehnten Ausgabe noch viele weitere folgen werden, doch das ist für den Moment Zukunftsmusik. Widmen wir uns lieber dem Hier und Jetzt und damit den 80 A4-Seiten (+ Begleitheft), die die Redaktion diesesmal vorlegt.

Titel_CR_06Wie auch schon bei den Vorgängerausgaben habe ich das Glück, als Autor im Impressum der sechsten Ausgabe aufgeführt zu werden. Wiederum verzichte ich damit auf eine komplett wertende Rezension – wäre ich wohl doch leicht befangen :-). Ich möchte es aber nicht versäumen, Euch die Ausgabe in ihrer Gesamtheit vorzustellen, meine Meinung zu den anderen Artikeln kundzutun und auch ein wenig aus meinem persönlichen Autorennähkästchen zu plaudern.

Über das professionelle und schicke Layout sage ich wieder einmal eigentlich zu wenig. Wie auch bei den Vorgängerausgaben gibt es nichts zu meckern und das ganze Heft sieht großartig aus! Die sechste Ausgabe mit dem Titel “Kriegszittern” hat Kriege – insbesondere den Großen Krieg – zum Oberthema, doch wie üblich finden sich auch andere Artikel in dem Heft.

Die Flüstertüte
Ich bin kein wirklich großer Fan der “Flüstertüten”-Rubrik. Auch die sechste Ausgabe, in der Andreas Melhorn über die Regelveränderungen, die uns mit der 7. Edition ins Haus stehen, schreibt, ändert daran nicht allzuviel. Das liegt aber hauptsächlich daran, dass ich in meiner “Rezension” des Schnellstarters zu ganz ähnlichen Schlüssen wie er gekommen bin und ich daher den gewünshchten “Reizeffekt” der Flüstertüte abermals nicht verspüre. Gut geschrieben und ein interessantes Thema, aber wiederum nicht mein Artikel.

How to do the Gatsby
In diesem Artikel gibt Christoph Maser einige Tipps zum Besten, wie er den Gatsby vorbereitet hat und durchgeführt hat. Wer sich nach der Lektüre des Buches etwas schwer damit tut, sich vorzustellen, wie denn dieses Monster-Abenteuer wohl umgesetzt werden soll, findet hier viele interessante Anregungen. Aber ganz ehrlich? Mich bestärkt dieser Artikel in der Annahme, dass der Gatsby wohl in vielen Fällen ein hübsches Sammlerstück fürs Bücherregal bleiben wird. Denn um einige der der Erfahrungsberichte vorweg zu nehmen: wer kann schon ein halbes Jahr Vorbereitungszeit aufbringen? Für insgesamt maximal sechs Stunden Spielzeit? Wer will Mailinglisten ins Leben rufen, um an 32 Spieler zu kommen? Der Artikel offenbart genau die Schwächen, die ich als Otto-Normal-Spielleiter beim Gatsby sehe. Für jemanden, der diese Herausforderung aber nicht scheut, ist der Artikel aber Gold wert.

Krieg & Spiel
Der gleiche Autor führt uns nun das erste Mal in das Titelthema, präsentiert er doch einen Artikel, der den Weltkrieg als Hintergrund für viele Spielercharaktere der 1920er charakterisiert. Es gibt viele kreative Vorschläge und Regelvorschläge, um die schrecklichen Erfahrungen des Krieges in den SC-Hintergrund einzuarbeiten. Der Artikel versteht sich dabei als Ergänzung zum “Niemandsland”-Band, funktioniert aber natürlich auch losgelöst von diesem und ist für Leute mit Hang zum Charakterspiel eine tolle Vorlage.

Dunkler Sommer
Kaid Ramdani eröffnet den diesmaligen Abenteuerreigen mit seinem 1920er-Abenteuer “Dunkler Sommer”. Dieses stellt ebenfalls die Geschehnisse des Großen Krieges in den Mittelpunkt. Hier wurde ein ausgewählter SC Zeuge – Achtung Spoiler! – einer finsteren Beschwörung, die er nur dank intensiver psychologischer Betreuung vergessen konnte. Doch es kommt zu unerwarteten Begegnungen und schließlich holt ihn seine Vergangenheit ein… um ehrlich zu sein mag ich Abenteuer nicht besonders, die einzelnen SC eine besondere Bürde aufdrängen. Auch arbeitet “Dunkler Sommer” mit vielen Rückblenden die just immer dann eingesetzt werden können, wenn die Ermittlungen mal wieder stocken. So bietet es zwar Abwechslung, wirkt aber auch ein wenig konstruiert. Es bietet aber eine gute Möglichkeit, den Großen Krieg in den 1920ern nachzuerleben – mein Abenteuer ist es aber leider nicht.

Time To Go
Das nächste Abenteuer, “Time To Go”, stammt von Stefan Droste und ist für Cthulhu NOW konzipiert. Ich meine mich entsinnen zu können, dass es im Cthulhu-Forum als Experiment angekündigt wurde, um einmal ein Abenteuer mit einem “persönlicheren” Horror abzuliefern, als es das “normale” Cthulhu-Abenteuer kann. So werden denn auch die SC gleich zu Beginn in eine Extremsituation geworfen. Aus der können sie sich zwar rasch befreien, doch bricht daraufhin in den nächsten Wochen ihr Leben auseinander. Ein Szenario, dass wirklich anders ist als üblich. Doch: es erfordert enorm viel Vorbereitung und Improvisationstalent vom Spielleiter, wenn er den Horror wirklich “persönlich” gestalten will, auch wenn einige Vorschläge mit auf den Weg gegeben werden. Und: es ist schlicht nicht mehr wirklich cthuloid, auch wenn die “Gegner” klassischer Natur sind. Ich könnte mir dieses Szenario gut für Unkown Armies vorstellen.

Kampf um das Empire
Der nächste Artikel von Stefan Droste ist eine Art “Gaslicht”-Äquivalent zu “Krieg & Spiel” und stellt einige Kriegskonflikte vor, die in der Vergangenheit von Gaslicht-SC liegen könnten. Auch hier werden Regelvorschläge gemacht, wie sich die Kriegserfahrungen auf die SC niedergeschlagen haben könnten. Wiederum eine hübsche Ergänzung.

Die Kolonialausstellung
Autor Dominik Schwan stellt in diesem cthuloiden Szenario-Schauplatz eine Kolonialausstellung vor, wie sie in den 1920ern zu finden war. Wie eine Art Wanderzirkus wurden nicht nur die Waren der Kolonien sondern auch deren Bewohner ausgestellt. Umfangreiche Beschreibungen – komplett mit Warenhaus, Gastronomiebetrieben und NSC – und eine dezente Mythos-Verknüpfung lassen das Kopfkino anspringen. Absolut gelungen.

Ultima Ratio
Von Carsten Pohl stammt das dritte Szenario aus der aktuellen Ausgabe, “Ultima Ratio”. Drei vorgefertigte SC werden in eine Extremsituation geworfen, aus der sie rasch einen Ausweg finden müssen – es bleibt ihnen nur eine Stunde Zeit… wie ich vom Autoren erfahren durfte, entstand “Ultima Ratio” als eine Antwort auf meinen zwei Jahre zurückliegenden Kurzabenteuer-Wettbewerb. Die Fragestellung, wie man wohl ein funktionierendes Szenario in kurzer Zeit aufsetzen könne, führte – unter anderem – zu Ultima Ratio. Und auch abseits dieses Hintergrundes ist das Szenario mein Liebling aus der aktuellen Ausgabe. Tolle SC und NSC, ein toller Schauplatz und eine interessante Grundidee machen das Abenteuer zu einem echten Erlebnis.

Der Fleischer
Die Fragmente des Grauens beschäftigen sich in dieser Ausgabe mit der Lebensmittelknappheit, die nach dem Großen Krieg Deutschland heimsuchte und den oft… “kreativen”… Lösungen, die die Industrie als Antwort auf den Hunger der Bevölkerung fand. Ein interesantes, bislang wenig beachtetes Setting und kreative Ideen machen “Der Fleischer” zu einer gelungenen Ausgabe der “Fragmente des Grauens”.

Geteiltes Leid
Mit “Geteiltes Leid” von Moritz Hohnert wird erstmals die Rubrik “Tatort” in das Niemandsland-Setting verlegt. Ich bin ein großer Fan dieser Rubrik und auch “Geteiltes Leid” macht dieser Begeisterung kein Ende. Tolles Material, wenn auch natürlich noch recht arbeitsintensiv für den SL. Punkt.

Der Menschenjäger
Der erste “Charakter der Ausgabe” ist der Menschenjäger Wilfried August Bielmeier. Dieser stammt von Dominik Schwan und ergänzt nicht nur gelungen den Artikel über die Kolonialausstellung. Nein, er ist zugleich auch der Siegerbeitrag meines NSC-Wettbewerbes. Er ist damit der einzige NSC des Beitrages der es zum einen in den Ruf geschafft hat (die geplante Sonderausgabe kam ja leider nicht zustande) und zugleich der einzige Beitrag, der sich damit NICHT in “Statisten im Angesicht eines grausamen Kosmos” wiederfindet. Nun sind alle Beiträge also veröffentlicht. Ich bin froh, dass insbesondere der Siegerbeitrag – über die Qualität des Artikels muß ich damit nicht mehr Worte verlieren – einen so würdigen Rahmen gefunden hat.

Der Drohnenpilot
Abgeschlossen wird die Ausgabe dann mit dem Charakter der Ausgabe, dieses Mal aus der Feder von Robert Wintermann. Für NOW konzipiert stellt der Charakter eine bislang eher weniger beachtete Mythos-Enthität in den Vordergrund. Insbesondere die Beschreibung ist gelungen und rundet die Ausgabe gelungen ab.

Das Geisterhaus-Projekt
Das diesmalige Archivheft stammt dann aus meiner Feder und trägt den Titel “Das Geisterhaus-Projekt”. Als ich die zweite Ausgabe von Cthulhus Ruf in Händen hielt, war ich von dem beiligenden Archiv-Heft “Die Waisenkinder von Dunwich” total begeistert. Die Idee, ein komplettes Setting in einem Extraheft zu präsentieren, fand ich zu großartig, um mich nicht selbst daran zu versuchen. So entstand “Das Geisterhaus-Projekt”, eine Art Sandkasten-Kampagne, die Filmstudenten auf eine besondere Reise durch irische Spukhäuser schickt. Das Material ist also schon fast zwei Jahre alt – Geduld zahlt sich eben manchmal doch aus. Mein Dank gilt immer noch Thomas Renner, der viel kreativen Input geliefert hat und natürlich Marc Meiburg, der ein großartiges Design für meinen Text gefunden hat. Ich hoffe, das Heft gefällt Euch ebensogut wie mir.

Fazit: Es ist wieder eine tolle Mischung. Von den Abenteuern bin ich dieses Mal nicht so angetan – aber das ist natürlich auch immer ein Stück weit Geschmacksache. Sie sind durchaus innovativ, aber ich bin dafür einfach zu konservativ eingestellt. Dieses Mal sind es eher die Hintergrundartikel und Regelvorschläge, die bei mir zu punkten wissen und mich wiederum ohne Abstriche die hohe Qualität des Magazins loben lassen. Absolut empfehlenswert – nicht nur für Cthulhu-Spieler.

Cthulhu WildWest: James Potter

Hallo zusammen.

Um den Jahreswechsel herum habe ich mir vorgenommen, auf diesen Seiten hin und wieder Material für Cthulhu WildWest zu veröffentlichen. Mein Hauptkritikpunkt an der PDF war das Fehlen eines konsistenten Hintergrunds und einer echten “Idee”, wie Cthulhu im Wilden Westen aussehen könnte. Hier ist nun der dritte einer geplanten losen Folge von Beiträgen, die sich etwas in dieses Vakuum vorwagen sollen. Heute beschäftige ich mich mit einem cthuloiden NSC für den Wilden Westen.

(…und HIER geht’s zum ersten Beitrag…)
(…und HIER geht’s zum zweiten Beitrag…)

James Potter

Setting: Wild West

Hintergrund: James Potter machte sich in jungen Jahren von heimischen, englischen Gefilden auf in das verheißungsvolle, junge Amerika um sein Glück zu suchen. Er kratzte seine Ersparnisse zusammen, ließ alles hinter sich und buchte eine Fahrt in der dritten Klasse auf in die Neue Welt. In New York angekommen musste er aber feststellen, dass das Geld nicht so auf der Straße zu finden war, wie er es sich in seinen Träumen erhofft hätte. Tatsächlich hielt er sich eine ganze Zeit lang verzweifelt mit Gelegenheitsjobs über Wasser, bevor er seine wahre Berufung entdeckte: die Photographie.

photo-camera-219958_1280In einem verkommenen Trödelladen erstand er seine Kamera, die er seither mit viel Elan und Einsatz führt. Er begann seine Reise westwärts. Zu jeder Gelegenheit bot er seine Dienste als Photograph an. Dabei arbeitet er für kleines Geld, was ihm eine glänzende Auftragslage beschert.

Verwendbarkeit im Spiel: James Potter kann auf verschiedene Arten im Spiel eingesetzt werden. In erster Linie eignet er sich natürlich als farbiges Element am Rande eines Szenarios. Photographie ist seine Obsession und er wird nicht müde, seine Dienste auch zu unpassenden Gelegenheiten anzubieten. Vielleicht wird er aber auch unfreiwillig zu einem Szenarieneinstieg: Viele Indianer glauben daran, dass ihre Seele von den Photographien eingefangen wird – entsprechend feindselig reagieren sie womöglich auf das Angebot eines “hübschen Gruppenportraits”. Die Charaktere müssen einschreiten, um den tollpatschigen Photographen zu retten.

Es gibt aber noch weitere Möglichkeiten, um James Potter einen cthuloideren Anstrich zu verleihen (und dafür sind wir ja immerhin hier :-)). Womöglich ist die Linse seiner Kamera derart geschliffen, dass sie in der Lage ist, die Deshe (Energiewesen, die in einer weiteren Dimension quasi zwischen uns leben, s. Malleus Monstrorum) sichtbar zu machen? Dann könnte er als eine Art “Geisterjäger” unterwegs sein. Oder er hat noch gar keine Ahnung, welche seltsamen Monstrositäten manches Mal auf seinen Photographien abgebildet werden und wird unfreiwillig Ziel der Deshe, die einen Kanal in unsere Dimension wittern?

Aussehen: James Potter ist bereits ein alter Mann. Er trägt einen großen, hellen Cowboyhut, ist faltig und vernarbt. Oft umspielt ein Lächeln sein Gesicht, doch sein Körper ist bereits recht gebrechlich geworden.

Darstellung: James Potter mag bereits alt an Jahren sein – ein jugendlicher Leichtsinn ist ihm dennoch geblieben. Darüber hinaus ist er völlig unbedarft – seine Photographie und die wenigen Dollar, die er auf Volksfesten oder Familienfeiern verdient, genügen ihm vollauf zum Leben. Er neigt sogar dazu, Begleitern nach wenigen Stunden auf die Nerven zu fallen – insbesondere, wenn er mal wieder ein Motiv entdeckt hat, dass er unbedingt photographieren muss…

james potterJames Potter
Beruf: Photograph
ST 9
KO 9
GR 12
GE 11
ER 10
IN 15
MA 11
BI 8
gS 55
Schadensbonus: -
Stabilitätspunkte: 55 (oder weniger, wenn er als Kanal für die Deshe genutzt wird)
Magiepunkte: 11
Trefferpunkte: 11

Angriff: Faustschlag 35%, Schaden 1W3+Sb

Fertigkeiten: Buchführung 10%, Chemie 32%, Cthulhu-Mythos 0% (4%, wenn er von den Deshe weiß), Mechanische Reparaturen 56%, Photographie 67%